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Berichte  Richard Färber

KÜNSTLER / Die Gaildorfer treffen ihren sechsten Stadtmaler

Der öffentliche Wolfgang

Wechselspiel aus Sympathie und Kunst - Bilderbäume beim Schloss und an der Stadtkirche

Die Nachbarn passen auf und bringen manchmal auch Erdbeeren, das Kaffeehaus stellt den Strom, Touristen machen Fotos und stecken Holzstücke ein - als Souvenir. Wolfgang Folmer, der sechste Gaildorfer Stadtmaler, ist zum öffentlichen Ereignis geworden

GAILDORF• Es ist ein Geben und Nehmen um diese Bäume: Neugier, Zuspruch, Lob für Bilder, Erinnerungsschnappschüsse für Bilder, Erdbeeren für Bilder, die sich auf schwarz bemalten Baumstämmen drängeln und offenbar niemanden unberührt lassen: „Das ist schön", sagt lächelnd eine Frau im Vorbeiradeln, ohne dass sie jemand nach ihrer Meinung gefragt hätte.

Spazierende Mäzene

Das Geben und Nehmen um die Folmerschen Bäume funktioniert nicht nach den Prinzipien von Wert und Gegenwert, sondern im besten Sinne mäzenatisch. Die Menschen, die den Gaildorfer Stadtmaler Wolfgang Folmer in den letzten Wochen bei seinen Bäumen in der Garage im Alten Schloss, im Schlossgraben und beim Schachbrett neben der Stadtkirche besucht haben, die seine Holzbeitel-Zeichnungen kommentierten, ihn befragten und beschenkten, haben einfach nur Gefallen an seinem Tun gezeigt. Und das hat offenbar genügt. Der Zuspruch hat ihn geöffnet, jetzt steigen die Bilder auf, ganz von selbst. Folmer ist mit seiner Arbeit in der Öffentlichkeit glücklich in jenen Zustand der Balance gekommen, den er benötigt, um die Quellen seiner Inspiration fließen zu lassen. Und wenn man genau hinschaut, sozusagen von Baum zu Baum, erkennt man auch die Stationen der Öffnung: vom Rinnsal bis zum muntren Bildersprudeln.

Klaffende Schubladen

Es gibt ein Bild dafür, am vierten Baum beim Schachbrett neben der Stadtkirche, den Folmer in dieser Woche bearbeitet hat. Eine Seite des Pappelstammes ist gesäumt mit klaffenden Schubladen, denen Figuren entsteigen. Dass der Stadtmaler diese Schubladen in aller Öffentlichkeit geöffnet hat, ist sein Teil des Handels: ein Akt des Vertrauens - das beste Geschäft. Zumal die Bilder sprechen können. Die Zeichnungen auf den geschwärzten Baumstämmen werden von Folmer zwar assoziativ eingeritzt, sind aber auf eine Art und Weise gegenständlich, die man nicht erklären kann und nicht erklären muss. Denn der Blick in Folmers Bilderwelt offenbart Vertrautes: einfache Gegenstände wie Puppen, Roller, Messer, Möbel, die Schnauze eines Flugzeuges oder auch eine dicke Wurst vermitteln den Eindruck eines unaufgeräumten Spielzimmers, behaust von Fischen, seltsamen Vierfüßlern, einer großen Schlange und Menschengestalten bei mehr oder weniger absurdem Tun. Die Anordnung der Bilder, die sich bisweilen wie Vexierbilder durchdringen, weckt die Assoziation von Erzähl-Landschaften, die regelrecht abgeschritten werden können. Wer aber einen solchen Gang unternimmt, wird hinter lustigen Bildern tiefe Geschichten finden, denn die Kunst Wolfgang Folmers schweigt nicht von Sexualität und auch nicht von Gewalt. Sie trägt die wertfreie Wahrhaftigkeit der Traumwelt in sich - und das macht ihre Schönheit aus.

Drucke vom Stamm

Der künstlerische Prozess ist mit dem Zeichnen auf dem geschälten Stamm längst nicht abgeschlossen. Der nächste Schritt ist der Druck vom Stamm auf Papier, also die Reproduktion. Mit den beiden Stämmen in der Stadtmaler-Garage hat Folmer bereits erste Versuche gemacht und auch den anderen beiden Stämmen will er mit Farbe und Papier zu Leibe rücken. Eigentlich. Der Druck vom Stamm - bei der rauhen Oberfläche der Pappel ohnehin ein technisches Wagnis - lässt sich mit der Arbeit, die Folmer in den letzten Wochen geleistet hat, nicht vergleichen. „Vielleicht seh’ ich auf den Drucken noch was Neues", versucht Folmer sich zu motivieren, richtig begeistert aber klingt er nicht. „Mir reichen die Bäume", sagt auch Rolf Deininger vom Förderkreis, der Folmer betreut und regelmäßig besucht - was ist schon eine Reproduktion, wenn man eine Quelle in natura sprudeln sehen kann?

Schafft Bäume ran

Immerhin hat Folmer ja noch zwei Bäume, Platz für weitere Bilder: einer liegt beim Bauhof, der andere bei der „Häberlen Kneipe". Bei dem Tempo aber, das Folmer gegenwärtig vorlegt, wird das nicht lange vorhalten. Wenn die Quelle also noch lange und segensreich sprudeln soll, gilt für die Gaildorfer nur eines: schafft Bäume ran. Am besten Linden. Und Erdbeeren. Die verträgt er zwar nicht, aber irgendwie scheinen sie seinen Bäumen gut zu tun.


SCHULE / Außenanlagen der Parkschule sollen neu gestaltet werden

Es purzeln die Ideen

Künstler Wolfgang Folmer und Andrea Reksans sind beteiligt

Die Rutsche ist gesperrt, jetzt bald im dritten Jahr. Auch sonst ist mit dem Hof der Parkschule nicht viel Staat zu machen. Susanne Kreetz und Karl-Heinz Nunn wollen das ändern - mit Hilfe von Stadtmaler Wolfgang Folmer und dessen Künstlerkollegin Andrea Reksans.

GAILDORF• Platz gibt’s, unbestritten. Einen kleinen Tümpel, ein paar Bäume, die aus Sicherheitsgründen gesperrte Rutsche, eine Korbball-Anlage ohne Korb. Die von einigen Trampel- und Kletterwegen durchzogene Böschung hinauf finden sich einige flach auf dem Boden angebrachte Stangen und ein schmaler Holzdrachen zum Balancieren. Dahinter, unter zurzeit kahlen Bäumen und Büschen, haben sich die Kinder weitere Pfade getrampelt. Einige Holzpfähle ragen aus dem Boden; ihre Funktion ist so diffus wie die eines marod wirkenden Holzgeländers, das vor langer Zeit angebracht wurde, um einige frisch gepflanzte Sträucher zu schützen. Die wurzeln allerdings mittlerweile bolzenfest. Kahl, kalt, unwirtlich findet Andrea Reksans die Hof-Anlage der Parkschule. Die Gaildorfer Künstlerin hat sich einem Treffen des Stadtmaler Wolfgang Folmer mit den beiden Lehrern Susanne Kreetz und Karl-Heinz Nunn auf dem Schulgelände angeschlossen. Zweck des Treffens: Neugestaltung. Die beiden Pädagogen haben sich auf einer Fortbildung anregen lassen und auch den Kontakt mit Folmer gesucht. Der Stadtmaler und seine Kollegin bringen Erfahrung in der Arbeit mit Kindern mit; beide wissen, welche Maßnahmen in der Gestaltung öffentlicher Räume, die zumal von Kindern genutzt werden, sinnvoll sein können. An der Parkschule kann viel gemacht werden. Der tägliche Blick auf den Pausenhof zeigt den Pädagogen, dass der Raum seiner Nutzung angepasst werden muss. Wegweisend sind dabei die Bedürfnisse der Kinder. Die Rundpfade beispielsweise, die sie sich geschaffen haben, sollten gestalterisch anerkannt werden. „Kinder", sagt Susanne Kreetz, „wollen Runden drehen."

Der Nutzung anpassen

Das Vorhaben wächst im Verlauf des Gesprächs. Es gilt: „Leere Räume sind gefährlich." Kicken und Vespern, Rennen und Ruhen passen nicht zusammen. Ein Bolzplatz wäre gut; auf dem leeren Grundstück oberhalb der Schule könnten Tore aufgestellt werden. „Wir müssen Pole setzen!" Im Brainstorming purzeln die Ideen: Weidenhäuser, ein Brückchen über den Teich, Ruheplätzchen, große Tiere, kleine Tiere, Holz und Stein, vielleicht eine Kletterwand, Betonlandschaften, die mit Mosaiksteinchen besetzt sind. Man überlegt, wie die Kinder beteiligt werden können. Sie sollen ihren Raum schließlich mitgestalten.

Eggert wohlwollend

Eile mit Weile, meint Folmer zum Schluss und zückt die Kamera. Das Projekt werde sich nicht von heute auf morgen verwirklichen lassen, „eigentlich können wir erst einmal nur Impulse setzen." Er wird sich zusammen mit Andrea Reksans anhand der Fotos Gedanken machen und mit Entwürfen spielen. Auch Susanne Kreetz und Karl-Heinz Nunn haben zu tun. Vor allem Finanzierungsfragen sind zu klären. Bürgermeister Ralf Eggert zeigt sich wohlwollend. Er hat angekündigt, dass die Rutsche wieder gerichtet werden soll. Auch gegen den Bolzplatz hat er keine Einwände. Auch die Elternvertreter wollen etwas geben, wie überhaupt damit gerechnet werden kann, dass engagierte Eltern mitarbeiten werden. Möglich wäre auch ein Schulfest, dessen Einnahmen dem neuen Gelände zugute kommen. Nicht zu vergessen das Oberschulamt. Dort, weiß Andrea Reksans, stehen einige Töpfe, aus denen man sich für solche Zwecke bedienen kann.


PORTRÄT/ Wolfgang Folmer ist der sechste Gaildorfer Stadtmaler

Der lange Weg zum Baumstamm

Talent auf Eis und Zeichenblatt - Von der Balance und der Kunst, sich auf seine Wahrnehmung zu verlassen

Bei Wolfgang Folmer muss man aufpassen, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Der sechste Gaildorfer Stadtmaler beschäftigt sich zurzeit nun einmal hauptsächlich mit Baumstämmen. Und das ist keine Masche: Folmer hat einfach eine neue Quelle entdeckt.

GAILDORF• Krikelkrakel. Zeichen, Formen und Kreise. Ein fein gezeichnetes Ohr. Manchmal auch Wörter. Und den Professor hat’s gegruselt, denn die Worte, die da in der Nacht aufs Papier geflossen waren, dräuten philosophisch, religiös, dunkel und - sie waren nicht in der Schrift seines Schülers geschrieben. Wer oder was war da am Werk? Wolfgang Folmer weiß es auch nicht. Nicht genau wenigstens. Eine Zeitlang hat er sich mit „nichtbewussten Schreibversuchen" beschäftigt, in erschöpfenden nächtlichen Sitzungen. Er hat versucht, die Kette zu zerbrechen, die sich zwischen „innerem Hören, Handlungsimpuls und Tun" spannt, die Leitung zwischen Kopf und Hand kurz zu schließen, die Quelle aufzudecken. Er glaube an das Unterbewusste, sagt er. Nachts, vor allem. Als Wolfgang Folmer 20 Jahre alt war, wurde sein Talent im Eiskunstlauf entdeckt. Und auf dem Eis hat er jenen Moment erlebt, der sein Verhältnis zur Kunst vielleicht am besten definiert: den gedankenlosen Moment zwischen Sturz und Sprung. Viel später, als er begann, sich mit Tai Chi zu beschäftigen, fand er ein neues Wort dafür: „Balance". Der Unterschied: Balance ist von Dauer. Balance ist der Zustand der „geringsten Ausrichtung", sagt Folmer. Beim Tai Chi, ursprünglich eine Kampfsportart, ist das wichtig, damit der Gegner keine Absichten erkennen kann. Die ideale Balance entsteht, wenn Körper und Geist entspannen und Absichten in Vergessenheit geraten. Dann, um endlich den Sprung zur Kunst zu wagen, können ungefiltert-ungehindert jene Bilder aufsteigen, denen Folmers größtes Interesse gilt.

Das große Wabern

Mit Wolfgang Folmer ist gut reden. Und hernach kann man noch besser über das Gesagte nachdenken. Über Sätze wie „Malen ist eine Form des Denkens." Oder: „Wenn ich erklären könnte, was ich tue, könnte ich’s gleich aufschreiben oder sagen." Und dann zeigt er auch noch ein Buch her: „Kunst kommt ni c h t von Können". Natürlich ist das eine plakative Behauptung, und natürlich weiß er das. Früher, sagt Folmer, war die Kunst auftragsgebunden, oft verschwand der ausführende Künstler völlig hinter einem Werk, das der Nachwelt mit dem Vermerk „unbekannter Meister" erhalten blieb. Heute hingegen sei die Kunst personenbezogen, pluralistisch, frei; sie enthalte keine erkennbaren Strömungen mehr und sei im Grunde auch nicht mehr objektivierbar - das große Wabern. Diese Freiheit muss etwas aushalten können. Sie wabert, um im Bild zu bleiben, zwischen der depperten Ignoranz des „Das kann ich auch" und der nicht weniger depperten Überheblichkeit der „Alles-ist-Kunst-Fraktion", die zumindest im Preisschild gültige Ausstellungs-Maßstäbe entdeckt hat. Das ist schädlich, sagt auch Folmer, „ein echtes Problem". Allerdings sieht er auch die Vorteile zwischen den Extremen: Die heutige Kunst, sagt er, lehre Künstler wie Rezipienten, sich auf ihre Wahrnehmung zu verlassen. Daraus leitet sich auch eine politische Dimension ab: Künstler sind Seismographen im Bodenlosen. Auch die heutige Lehre, die gewissermaßen in einem Aufstand für die Freiheit und gegen das Diktat des streng Handwerklichen wurzelt, unterstützt diese Entwicklung. Vorbehaltlos und mitunter ohne die Konflikte wahrzunehmen, die entstehen können, wenn Freiheit und Verantwortung der Lehre aufeinander prallen.

Ins Messer gelaufen

Folmer hat das am eigenen Leib erfahren, als er seine erste Mappe an der Stuttgarter Kunstakademie einreichte. Er lief ins Messer, wurde abgefertigt, man empfahl ihm, die Finger von der Kunst zu lassen. Heute weiß er, dass das nicht fair war: Sein Talent war unverkennbar, der Verriss unverantwortlich. Genützt hat er auch nichts. Sinnigerweise konterkarierte Folmers zweite Bewerbung, für die er sich an der Stuttgarter Kunstschule vorbereitet hat, den mutmaßlichen Anspruch der professoralen Verreisser: „Ich wusste, was verlangt wird. Mein Bewerbungsmaterial war völlig angepasst." Auch die renommierten Akademien in Düsseldorf und Frankfurt schickten Zusagen. Einer hatte ihn schon beim ersten Versuch verteidigt: Professor Manfred Schoofs. In ihm hat Folmer an der Kunstakademie einen Mentor gefunden, der Talent nicht als Behinderung empfand. Vielleicht nahm der „ProfW, den’s später angesichts der „nicht bewussten Schreibversuche" gruseln sollte, Folmers Drang wahr, sich selbst in Bildern zu finden. Vielleicht war er auch einfach nicht eifersüchtig. Der Drang prägt Folmers Werdegang. Zur Welt kam er 1960, aufgewachsen ist er in Großrossen im Saarland. Durchs Dorf floss die Rossel, der „schmutzigste Fluss Deutschlands", Luft und Atmosphäre wurden beherrscht von der „Völklinger Hütte" - die einstige industrielle Pestilenz gehört heute zum Weltkulturerbe. Möglicherweise ist die Völklinger Hütte auch für Folmers heutigen Gesundheitszustand verantwortlich, der es ihm verbietet, mit Substanzen wie Öl- oder Acrylfarben zu arbeiten. Nach bisherigen Beobachtungen besteht auch die Ernährung des sechsten Stadtmalers ausschließlich aus Kamillentee. Wo die Kunst herkommt, weiß er nicht. Als Kind hat er „seelenvoll" gezeichnet wie ein Wilder, später, bevor sich seine Allergien bemerkbar machte, alte Meister in Öl kopiert. Das kam zwar gut an, hatte allerdings keine direkten Konsequenzen. Folmer beendete die Hauptschule, wurde Schlosser und sattelte bei der Deutschen Bahn den „Wagenmeister" drauf. Glücklich war er nicht. Er habe sich in seinem Beruf als Fremdkörper gefühlt, erzählt Folmer, vor allem, nachdem er eine Sommerakademie besucht hatte. Der erste richtige Kontakt mit Künstlern war eine Entdeckung: es gibt Seelenverwandtschaften. 1983 zog er die Konsequenzen: Mittlere Reife bei der VHS, Fachabitur an der Oberschule für Grafikdesign in Saarbrücken, Freie Kunstschule, Kunstakademie.

Der freie Zugang

Obwohl Folmers Möglichkeiten reduziert sind, besticht seine Kunst durch Vielfalt und Ungebundenheit. Genres, Etiketten spielen in seinen Bildern keine Rolle, die Grenzen zwischen analytischem und freiem Zeichnen sind im besten Sinne diffus - Folmer, der sich auf seine Wahrnehmung verlässt und dessen größtes Talent möglicherweise das Balancieren ist, kann sich augenfällig frei bedienen. Vielleicht kommt Kunst von diesem Können. Folmers Kunst entsteht ziel-, bestenfalls gedankenlos und im Ergebnis entdeckt der Künstler Dinge, die er vorher nicht wusste. Das ist kein isolierter Prozess. Folmer lässt die Welt zu sich sprechen: das Material, mit dem er arbeitet, Kratzer auf Eis, die Spur des Käfers auf der Borke, die Situation in der er sich befindet.

„Aktionen in Räumen"

Letzteres hat zu den „Aktionen in Ausstellungsräumen" geführt. Dort ist er, manchmal mit Kollegen, rund um die Uhr vor Ort und spielt mit dem Raum. Bei einer dieser Aktionen wurde er gefragt, ob er es sich vorstellen könne, mit Sturmholz zu arbeiten. Er konnte. Zwei Wochen lang saß er mit einer Pappel in der Wendelinskapelle in Weil der Stadt, schnitt Bilder in den Stamm, färbte ihn ein, behängte die Wände mit Drucken, erfuhr Dinge, die er vorher nicht wusste. Es ist nicht der einzige Baum geblieben. Ein zweiter lag im Blühenden Barock, ein weiterer auf Teneriffa und die nächsten warten im Wald bei Münster. Es ist keine Masche: „Der Baum gibt mir Bilder", sagt Folmer. Meist kommen sie nachts.


STADTMALER/ Emanuel Anthropelos geht, Wolfgang Folmer kommt

Eggert: Stipendium steht nicht zur Diskussion

Offizieller Empfang im Gaildorfer Rathaus - Der Bürgermeister sichert weitere Unterstützung durch die Stadt zu

Seit gestern ist es offiziell: Wolfgang Folmer ist der neue Gaildorfer Stadtmaler. Bürgermeister Ralf Eggert hat Folmer im Rathaus begrüßt und dessen Vorgänger Emanuel Anthropleos verabschiedet. Die Stadt, so Eggert, stehe weiterhin vorbehaltlos hinter dem Stipendium.

GAILDORF• Obwohl erst wenige Monate im Amt, scheint sich der neue Schultes bereits nachhaltig mit der Stadtmaler-Idee infiziert zu haben. Eine gewichtige Rolle dürften dabei die Gespräche gespielt haben, die Eggert mit dem letztjährigen Stadtmaler Emanuel Anthropelos geführt hat.

Abschied von Anthropelos

Denn der Bürgermeister sieht Anthropelos mit Bedauern ziehen. Man habe sich noch bemüht, erzählte Eggert, eine Aktion im Jugendhaus zu initiieren, sei letztlich aber an fehlenden Räumen gescheitert. Er hoffe, dass Anthropelos der Stadt gewogen bleibe. Eggert zeigte sich vor allem von den Wechselwirkungen zwischen den Stadtmalern und den Stadtbewohnern angetan. Es sei ein Leichtes, an der Kunst zu sparen, sagte er, denn der Verlust werde von der Mehrheit wohl kaum wahrgenommen. Der immaterielle Verlust aber sei immens: Die Kunst, so Eggert, spiegle die Verhältnisse wider, eine Gemeinschaft könne Mut und Kraft aus ihr schöpfen. Das Stadtmaler-Stipendium stehe deshalb „überhaupt nicht zur Diskussion." Beim Förderkreis „Stadtmaler" hört man das gerne, schließlich beinhaltet eine solche Aussage eine langfristige Garantie auf die Wohn- und Atelierräume im Alten Schloss. Allerdings, so Rolf Deininger vom Förderkreis, wolle man in Sachen Stadtmaler finanziell weiterhin autark arbeiten, also ohne einen Zuschuss durch die Gemeinde. Das ist nicht einfach, denn dem Förderkreis sind die Sponsoren weggebrochen. Die Reserven, so Deininger, würden durch das jetzige Stipendium vollends aufgebraucht. Man hoffe aber, für das nächste Stipendium, dessen Ausschreibung nach dem Pferdemarkt auf der Tagesordnung steht, neue Sponsoren zu finden. Den Gemeinderat jedenfalls werde man zu allerletzt bemühen, nicht zuletzt auch deshalb, weil man eine wie auch immer geartete politische Einflussnahme vermeiden wolle.

Kunst aus dem Wald

Statt des Gemeinderates ist aktuell ohnehin vor allem die Forstverwaltung gefragt. Wie bereits berichtet, hat Wolfgang Folmer in den letzten Jahren eine Holzschnitttechnik entwickelt, mit der direkt vom Stamm gedruckt wird. Für seine Arbeit in Gaildorf benötigt er deshalb vor allem Baumstämme. Dass wegen seiner Kunst Bäume gefällt werden, ist ihm offenbar nicht so recht. Sturmholz wäre ihm am liebsten, sagte Folmer, möglichst ein kurzfasriges Holz, also Pappel oder Linde. Eggert sieht das allerdings nicht so eng: Gaildorf, erklärte er, verfüge über 300 Hektar nachhaltig bewirtschafteten Wald, da werde sich also schon ein geeigneter Stamm finden. Folmer könne aber sicher sein: Wenn ein Baum für die Kunst gefällt werden sollte, dann hätte er ohnehin fallen müssen.


Stadtmaler / Seit einer Woche lebt Wolfgang Folmer im Gaildorfer Alten Schloss

„Möglichst viele Bäume machen"

Sechster Stipendiat ist eingezogen - Schwerpunkt: Holzschnitte von Baumstämmen

In der Geschichte der Gaildorfer Stadtmaler hat jetzt ein neues Kapitel begonnen. Als Nachfolger von Emanuel Anthropelos hat jetzt Wolfgang Folmer als sechster Stadtmaler die Wohnung im Alten Schloss bezogen.

GAILDORF• Wolfgang Folmer hat’s mit den Bäumen. Zuletzt hat er einen Baum auf Teneriffa „gemacht", für den legendären Ex-Galeristen Hans-Jürgen Müller, um genau zu sein; davor für’s blühende Barock in Ludwigsburg und davor für die Hospizgruppe von Weil der Stadt. Und jedes Mal kamen Leute vorbei, schauten sich an, was und wie er arbeitete und fragten schließlich, ob er sich nicht vorstellen könne, einen weiteren Baum zu „machen". Den nächsten macht er in Gaildorf.

Fraßspuren fixiert

Beim „Bäume machen" geht es um eine Holzschnitttechnik, die Folmer in den letzten Jahren entwickelt hat. Einen ersten Impuls lieferten die Fraßspuren von Borkenkäfern; Folmer, der sich in seinem Studium an der Stuttgarter Akademie hauptsächlich mit Zeichnen beschäftigt hatte, fixierte sie in Drucken, die er direkt vom Stamm abzog. Später, beim zweiten Bildhauersymposium in Marbach, käferte er mit dem Stechbeitel bereits selbst drauf los - auf Pappeln, die der Orkan „Lothar" gefällt hatte. „Bäume machen" ist eine arbeits- und zeitintensive Kunst, die den Künstler lange an einen Ort bindet. Folmer hat deshalb gewissermaßen begonnen, zu nomadisieren. In Weil der Stadt etwa verbrachte er zwei Wochen mit einer gefällten Pappel in der Wendelinskapelle und setzte sich, anlässlich des zehnjährigen Bestehens des dortigen Hospizdienstes, mit dem Thema „Sterbebegleitung" auseinander. Das ist nicht unbedingt wörtlich zu verstehen. Er sei, erzählt Folmer, bei der Bearbeitung des Baumes ähnlich verfahren wie die Mitglieder des Hospizdienstes mit Sterbenden. Er hat sich des Stammes angenommen, mit ihm gelebt, bei ihm gewacht, ihn begleitet, ihm Gedanken anvertraut, Bilder gegeben und Drucke - durchweg Unikate - genommen, die im Lauf der Zeit die Wände der alten Kapelle füllten. Unversehens ist das „Bäume machen" in den Mittelpunkt von Folmers künstlerischem Schaffen gerückt. Und dort wird es wohl noch ein Weilchen bleiben, denn seine Neugier ist rege und die Techniken, die er anwendet, entwickeln sich stetig weiter. Auch in Gaildorf will Folmer „möglichst viele Bäume machen"; der Förderkreis hat deshalb auch bereits seine Fühler in Richtung Forstverwaltung ausgestreckt.

Gaildorfer „Jahresstamm"

Bisher hat sich Folmer immer nur einige Wochen mit einem Stamm beschäftigt. In Gaildorf, wo er in den nächsten zwölf Monaten seinen Lebensmittelpunkt haben wird, will er das ändern: ein Stamm soll im Stadtmaleratelier Platz finden, er wird sozusagen das ganzjährige Medium für das sechste Stadtmaler-Stipendium sein. Für weitere Vorhaben ist Folmer offen. Sicher ist, dass er mit einem Aktzeichenkurs an der Sommerakademie der Ateliergemeinschaft teilnehmen wird. Außerdem will er im Rahmen des Ferienprogrammes mit Kindern arbeiten: unter freiem Himmel im Schlosshof, der dafür komplett mit Papier ausgelegt werden soll.

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STADTMALER / Wolfang Folmer bleibt im Alten Schloss              BERICHT : RICHARD FÄRBER

Gelassen gelöstes Problem

Vor zwei Wochen hat Wolfgang Folmer noch überlegt, ob er sein Stipendium nicht hinschmeißen soll. Jetzt sitzt der sechste Gaildorfer Stadtmaler im ASB-Schulungsraum im Alten Schloss und schwärmt und lobt die Stadtverwaltung.

GAILDORF • Als Zimmermann Andy Münz am 5. September begann, die Balken der Turmfassade des Alten Schlosses mit dem Hammer abzuklopfen, saß Wolfgang Folmer im Turmzimmer, sah den Staub rieseln und den Computer, an dem er gerade Dateien sicherte, bedenklich wackeln. Vorher, als er über die dringend notwendige Sanierung informiert worden war, hatte sich alles noch recht einfach angehört. Das Turmzimmer müsse zwar geräumt werden, dafür aber könne er das ehemalige VHS-Büro nützen; die Wohnung bleibe ihm erhalten.

Münz' munteres Pochen, leises Versprechen lauter Sanierungsgeräusche, machte ihm klar: das wird nichts. Die Sanierung würde seine Lebensgewohnheiten beeinträchtigen, seinen Rhythmus durcheinanderbringen, seine Arbeit gefährden. Der sechste Gaildorfer Stadtmaler raufte die Haare und erwog den Abbruch seines Stipendiums.

„Ein Stadtmaler gehört ins Schloss", erklärte ihm Bürgermeister Ralf Eggert am nächsten Tag. Wenn das ehemalige VHS-Büro zum Wohnen nicht geeignet sei, solle sich Folmer halt was anderes suchen. Der wählte umgehend den „Weißen Saal" und holte seine Matratze - erfuhr dann aber, dass dieser Raum von anderen genutzt würde. Die Suche ging weiter, bis fast unters Dach, wo der Arbeiter-Samariter-Bund seinen Schulungsraum hat- „ein Wahnsinnsraum", so Folmer, der kaum genutzt werde. Der Stadtmaler informierte Ralf Niesner von der Stadtverwaltung, der sich wiederum mit dem ASB in Verbindung setzte und dort auf Verständnis stieß: Folmer konnte einziehen - und hängte dankbar ein Plakat an die Wand, das er dort gefunden hatte: „Wir helfen allen Menschen ohne Ansehen ihrer politischen, rassischen, nationalen oder religiösen Zugehörigkeit."

Es hat keinen Konflikt gegeben, betont Folmer. Er habe ein Problem gehabt, und alle, Eggert, Niesner und auch Schloss-Hausmeisterin Emmy Katachiotou, hätten sich gelassen und erfolgreich bemüht, dieses Problem zu lösen - und dafür gesorgt, dass der Stadtmaler bleibt, wo er hingehört: im Alten Schloss.


VERNISSAGE ( Bericht Rainer Kollmer )

Gaildorfer Stadtmaler Wolfgang Folmer stellt in der Galerie im Alten Schloss

In der Gaildorfer Galerie im Alten Schloss hat derzeit der Stadtmaler Wolfgang Folmer seine Ausstellung „Vor Ort", Er zeigt dort Zeichnungen und Kunst auf Baumstämmen, die im Laufe der Ausstellung entstehen wird. Die Schau ist noch bis 2. November zu sehen.

GAILDORF • Diesmal war alles anders. Das Publikum wurde entge­gen der üblichen Blickrichtung plaziert und kam so in den Genuss eines  Perspektivenwechsels. Wolfgang Folmer hatte zum Zweck der Bestandsaufnahme auch hier seine künstlerischen Werkzeuge ins Spiel gebracht. Den ungewöhnlichen Wurmbrand - Hörsaal benutzte er nämlich dazu, zusammen mit den Zuhörern seinen Entwicklungsstand mit Hilfe einer umfassenden Bilddokumentation zu bestimmen. Da gab es die Ausstellungs- und Arbeitsstationen in Schwäbisch Hall, Weil - der - Stadt, Marbach, Ludwigsburg und auf Teneriffa. Und dann kamen eben Gaildorf und das Stadtmalerstipendium. Lauter Zwischenstationen - nie Beständigkeit. Der Mensch Wolfgang Folmer ließ und lässt sich treiben. Wenn er mit weichem Bleistift auf die kleinen Transparentbögen zeichnet (sie sind in der Galerie zu sehen), dann ist es eine Grafik, die auf ihn zu­kommt und der er sich ausliefert. Nichts ist geplant, es gibt kein Programm. Höchstens das Unbewusste aus der Traumwelt könnte eine Rolle spielen. Das ist wohl auch der Grund, warum die gegenständlichen Elemente seiner Bilder eine umfangreiche Sammlung von Formeln darstellen, die sich unentwegt wiederholen.

Zwei Linden und vier Pappeln hat er inzwischen in Galldorf bearbeite. Ihn reizt der Wechsel vom widerstandslosen weichen Bleistift zum hölzernen Ungetüm, dem nur mit Brechstange, Hublader und Kettensäge beizukommen ist. Dann schuftet Wolfgang Folmer wie ein Berserker, lüftet nach und nach das bildhafte Geheimnis unter dem geschwärzten Stamm und lässt sich dabei sogar über die Schultern sehen. Und wieder sind es die selben Ansammlungen von Objekten.

Dort liegen bereits die nächsten hölzernen Ungetüme und warten auf den Stamm - Verzauberer Wolfgang Folmer. Die Finissage könnte ein spannendes Ereignis werden.

 

Zur Vorbereitung der Ausstellung von Wolfgang Folmer (kleinem Bild) wurden Stämme in die Galerie gebracht. Dort nehmen sie im Verlauf der Schau künstlerische Form an.     


STADTMALER / Wolfgang Folmers aktuelle Ausstellung in der Galerie im Alten Schloss

„Mich würd' mal interessieren, wie es Ihnen so geht ..."

Seinen Bilderkanon - etwa 70 Zeichnungen, die in den letzten Monaten in Gaildorf entstanden sind - hat Wolfgang Folmer in die Galerie im Alten Schloss gehängt. Die eigentliche Ausstellung aber beginnt erst: zur Finissage.

  Bericht : RICHARD FÄRBER

  GAILDORF • Natürlich geht's um Bäume. Dieses Mal um einen geschälten Lindenstamm, der in sieben Stücke geschnitten wurde - die wiederum, um das Gewicht zu senken, ausgehöhlt sind und jetzt, bildbevölkert, in der Galerie im Alten Schloss Geschichten raunen: Neue alte Geschichten, einfach gefügt und tief gründend; und an den Wänden und auf dem Fußboden stapeln sich einige Abzüge und eine stetig wachsende Zahl von mit Linoldruckfarbe gepausten Arbeiten - noch mehr Geschichten also, ein Assoziationsgestöber, aus dem Bedeutungen aufleuchten, die man vielleicht gar nicht näher ergründen möchte.

„Ich greif das auf und ich füg' es zusammen", sagt Wolfgang Folmer, „ich seh's wertfrei."

Formell hat sich durch das Stipendium nichts geändert: der sechste Gaildorfer Stadtmaler schneidet Bilder in Baumstämme, wie gehabt. Da Gaildorf aber, zumal der Revierförster Karl Diemer, ihn immer be­geistert und gut mit Bäumen versorgte, hat sich eine bildliche Eigendynamik entwickelt, die so nicht absehbar war. Folmers Bäume, deren Oberflächenstruktur immer auch gestaltend wirkt, tragen Bilder, die man archetypisch nennen kann -für Folmers Innenleben, aber auch für die Bilderwelten, die die Menschheit in sich trägt.

Deshalb der Kanon. Er besteht aus rund 70 Zeichnungen, die in Gaildorf entstanden sind, nachts zumeist, wenn sein Körper mal wieder rebelliert hat. Sie zeigen, was die Bäume zeigen: Momentaufnahmen, die aus Regionen des Geistes geschürft wurden, die nicht ohne weiteres und vielleicht nur in der Einsamkeit und unter körperlichem Stress zugänglich sind. „Es sind schon immer die gleichen Themen", sagt Folmer. Manche könne er ergründen, andere nicht. Ein Psychoanalytiker habe mal gesagt, woran man sich erinnere sei unwesentlich, sagt Folmer. Und grinst. Seine Neugier ist gewachsen. Der Druck vom Baumstamm wurde ihm „zu handwerklich, zu steif". Folmer befeuchtet Papier, legt es über die Stämme und greift zur Linoldruckfarbe, paust ab, was ihm entgegenkommt und trägt dann das Papier zum nächsten Stamm: „Ich füg' es zusammen." Manches, was er da zusammenfügt, rührt an die dünne Membran, die unser Bewusstsein vom Abgrund unserer Träume trennt. Dass Folmer, indem er sich seinen Tiefen nähert, die Tiefen Anderer berührt, macht seine Kunst aus - sie ist magisch. „Mich würd' mal interessieren, wie es Ihnen so geht", hat ihn neulich eine Besucherin gefragt. Andere freilich, und es kamen viele zu den Öffnungszeiten in die Galerie, wollten von ihm wissen, ob man davon leben kann, „ob's dafür einen Markt gibt". Er schüttelt den Kopf: Würde ich mir diese Frage stellen, meint Folmer, „war" ich nicht, wo ich bin". Morgen, 15 bis 18 Uhr, und am Sonntag, ab 14 Uhr, ist die Ausstellung letztmalig zu sehen.

„Ich greif das auf und füg es zusammen" – Wolfgang  Folmer bei der Arbeit in der Galerie im Alten Schloss. Der Stadtmaler befeuchtet Zeitungspapier (links) und legt es dann über die Baumstämme, in die er seine Bilder geschnitten hat (Mitte). Dann malt er die durchscheinenden Strukturen mit Linoldruckfarbe ab (rechts).


AUSSTELLUNG / Finissage beim Stadtmaler     Bericht und Bild : Brigitte Hofmann

Kunst anerkannt, Person beliebt

Wolfgang Folmer erfährt viel Zustimmung

Die große Resonanz ließ keinen Zweifel: Die Gaildorfer haben Wolfgang Folmer ins Herz geschlossen - und der Stadtmaler sie. Die Finissage seiner populären Ausstellung im Alten Schloss war am Sonntag ebenso gut besucht wie die Eröffnung drei Wo­chen zuvor.

  GAILDORF • Weit über die Grenzen der Schenkenstadt hinaus hat sich Wolfgang Folmer im knappen Jahr seines Wirkens Anerkennung verschafft und Freunde gefunden. Seine Kunst spricht für sich, und seine bescheidene Art spricht die Menschen an. Mit Spannung verfolgten die vielen Besucher im Wurmbrandsaal die Präsentation seiner Arbeit, die der Stadtmaler via Laptop auf die Wand projizierte.

Von der Zeichnung bis zum fertigen Stamm ließ er sein imponierendes Stadtmaler-Projekt Revue passieren. Ursprünglich als Holzdrucke geplant, hätten sich in der Praxis neue Aspekte ergeben, erläuterte Wolfgang Folmer die Stationen. Sein Atelier, wo die Späne flogen, hatte er im Ferdinand-Konzel-mann-Zimmer in der Galerie im Alten Schloss eingerichtet. Das Ergebnis seines künstlerischen Schaffens: eigenwillige Darstellungen auf schwarzem Holz und Bilder in (O-Ton Folmer) „Abklatschtechnik". Warum die Verzierung dem Borkenkäfer überlassen, habe er sich gedacht, und inspiriert von der Arbeit des Schädlings zum Hohleisen gegriffen. Jetzt habe er genug Bäume gesehen und sei ganz froh über das Ende, ließ er denn doch im Flüsterton am Rande des Geschehens wissen. Bürgermeister Ralf Eggert hatte jedoch eine andere Idee. „Die Kommune verfügt über 360 Hektar Wald, der Nachschub an Rohmaterial ist also auf Jahrhunderte hinaus gesichert", offerierte er dem lieb gewonnenen Gast sein Angebot. Und mit dem Maschinenpark der Stadt könne er weiterhin dienen. Mit seiner Offenheit und dem zurückhaltenden Wesen sei Wolfgang Folmer ein wesentlicher Teil des Stadtlebens geworden, konstatierte Ralf Eggert, und sprach mit diesen Worten sicherlich vielen Kunstfreuden aus dem Herzen. Die große Akzeptanz des Projekts inklusive Finissage brachte Manfred Schwarz von der Interessengemeinschaft Kunst ins Schwärmen: „Eigentlich müsste die Ausstellung jetzt noch drei Wochen weitergehen."

Dass sich der Stadtmaler in Gail­dorf „sauwohl gefühlt" habe, hat Martin Zecha festgestellt. Für den Förderverein Kunst richtete er das Wort an Wolfgang Folmer: „Danke, dass du das Fenster deiner Kunst für uns einen Spalt breit geöffnet hast." Der Künstler bedankte sich seinerseits - und fand im Anschluss an den offiziellen Akt noch jede Menge Zeit für Gespräche.