[ Startseite ] [ Aktuelles ] [ Die Stadtmaler ] [ Verbindungen / Kontakte ] [ Presseberichte ][ Rückblick ]

 

Autor: IRMTRAUD KOCH | 31.07.2012

Kreativer Anfang
Gaildorfer Kunstszene bereichern

Eine Künstlerkolonie mit dem Ziel, zusammenzuarbeiten und auszustellen: Noch ist dies eine schöne Vision des bekannten Gaildorfer Grafikers Dirk Pokoj, der auf dem Kieselberg wohnt und arbeitet.

Pokoj, Vorstandsmitglied der IG-Kunst und Stadtmaler 2010, stellt durch seine Kreativität, Experimentierfreude und Hilfsbereitschaft einen Pfeiler der Gaildorfer Kunstszene dar. Für die Bildung einer aktiven Künstlerriege oder gar -kolonie wäre er bereit, seine Räumlichkeiten und sein Equipment zur Verfügung zu stellen.

Unter anderem besitzt Pokoj eine stabile Presse für Hoch- und Tiefdruck, die er sich in monatelanger Arbeit selbst gebastelt hat. Um sie auf den Geschmack zu bringen, lud er neulich Kollegen zu sich ein. Auf dem Programm standen Drucktechniken: Kaltnadel- und Ätzradierung sowie Linolschnitt. Und so sah man morgens im grünen Schatten vor Pokojs Wohn- und Werkstatt einen Tisch stehen, der eine gutgelaunte, willig in Kupferplatten und Linoleum grabende Gruppe um sich vereinte, die aus (Vorstands-)Mitgliedern der IG-Kunst und aus Gaildorfer Stadtmalern bestand: Verena Geiger, Jelena Markovic, Petra und Alexander Ruff, der diesjährigen Stadtmalerin Daniela Weber und der vorjährigen, gerade auf Besuch in Gaildorf weilenden Heike Walter.

"Kaltnadel- ist eine Gewaltnadelradierung, weil sie eine so grimmig-archaische Methode ist", befand Verena Geiger. Und Daniela Weber fühlte zum ersten Mal seit der Schulzeit wieder Schwielen an den Fingern wie vom zu fest gehaltenen Füller. Einige Stunden später lagen die ersten Versuche sauber nebeneinander auf der Trockenstellage: Kaltnadelradierungen mit elegantem Quetschrand auf Papier und mehrfarbige Linoldrucke auf Baumwollstoff.

Am Ende des Nachmittags waren alle Teilnehmer hoch befriedigt und an wertvollen technischen Erfahrungen reicher. Eventuell könnte, laut Pokoj, das nächste Mal mit Metallguss geübt werden, zumal diese Technik für einen Einzelnen schwer durchführbar ist. Man darf auf eine Fortsetzung gespannt sein.

   Autor : Martin Bergmann  | 17.09.11  

Das Leid in Afrika lässt ihm keine Ruhe  

 Benefizausstellung : Dirk Pokoj zeigt und verkauft seine Werke Im Stuttgarter Haus der katholischen Kirche

Stuttgart.  Mitgefühl ist ein bedeutendes Element künstlerischen Schaffens. Aus Erschütterung über die Hungerkatastrophe in Osten Afrikas zeigt Dirk Pokoj seine Werke in einer Benefizausstellung in Stuttgart.

"Dirk Pokoj für Ost-Afrika" heißt die Aktion die am Donnerstagabend in Stuttgart eröffnet wurde. Das Leiden am Horn von Afrika ließ dem einfühlsamen Künstler keine Ruhe. In Franz-Walter Schmidt vom Bildungshaus Hägenau fand der Gaildorfer Stadtmaler von 2010 einen Möglichmacher. Schmidt ist Mitglied im Diözesanvorstand für katholische Erwachsenenbildung und hat daher auch gute Kontakte.

So kam es, das der gebürtiger Stuttgarter Dirk Pokoj für sein Projekt eine ausgezeichnete Plattform im Stuttgarter Haus der katholischen Kirche fand, in der Königstraße 7, kaum 400 Meter vom Hauptbahnhof des Landeshauptstadt entfernt. Hausherr Hermann Merkle freut sich, mit der Begegnungsstätte Gastgeber dieser berührenden Aktion sein zu können.

Die Kunstaktion tritt gegen den Hunger an - und gegen das Wegschauen. Die Zeiten für Hungernde der Erde sind hart. In den 1980ern gab es noch das bekannte Projekt Live-Aid von Pop- und Rock-Ikonen gegen den Hunger in Äthiopien. Und heute? Retten wir Banken . . .

Dirk Pokoj schaut nicht weg. Er stellt nun zahlreiche seiner Werke zum Verkauf. Der Erlös der verkauften Exponate fließt der Ost-Afrika-Hilfe der Caritas International zu.

Stefan Teplan, Sprecher der Caritas International, verdeutlichte in eindringlichen Worten, wie notwendig die Hilfe ist. Er zitierte Michel Roy, Generalsekretär der caritas internationalis im Rom. Roy hatte der Staatengemeinschaft absolutes Versagen im Angesicht einer vorhersehbaren Katastrophe vorgeworfen. Teplan unterstrich dies. Unverständnis äußerte er über Medienberichte, nach denen die Hilfe gar nicht ankomme. Gerade die Caritas-Hilfe erreiche durch ihre langjährige örtliche Einbindung in die afrikanischen Diözesen genau ihr Ziel. Mehr noch - selbst in jenen Gebieten Somalias, die durch Rebellen unsicher gemacht werden, sorge die Caritas durch Verbindungen etwa zur Organisation Daryell Bulsho Guud (Hilfe für alle) für Hilfe.

Franz Walter Schmidt stellte den zurückhaltenden 44-jährigen Künstler vor. Mit knappen Mitteln wolle Pokoj Botschaften vermitteln. In der Reduktion auf das Wesentliche liege sein Streben. Streng seien Pokojs Arbeiten, bewusst farblos oder "unbunt". Prägend sind Figurengruppen, die der Künstler strikt reduziert und gesichtslos darstellt. Im Zentrum steht aber, wie Schmidt hervorhebt, das verbindende Element. Die Figuren stehen untereinander in Beziehung, ja sie beziehen sogar den Betrachter mit ein, machen ihn betroffen.

An zwei Arbeiten verdeutlichte Schmidt die Verbindung zur Benefizaktion. Auf beiden Bildern finden Menschengruppen zueinander und teilen - zum Beispiel einen Tisch. Eine Aufforderung zum Teilen des Überflusses. Sehr bescheiden trat der Künstler selbst auf. Der Schöpfer der intensiven, graubrauen Bilder auf Leinwand, der Grafiken und der spannenden Plastiken setzte ausnahmsweise ganz unkünstlerisch auf ein Ziel: "Ich hoffe auf zählbaren Erfolg". Für Afrika. Dafür gibt Dirk Pokoj seine Werke.

   Autor: SWP | 13.09.2011

Benefiz-Ausstellung für Afrika: Pokoj in Stuttgart

 Stuttgart / Gaildorf.  Der Gaildorfer Künstler Dirk Pokoj stellt ab Donnerstag in Stuttgart aus. Der Erlös geht an die Ostafrikahilfe von Caritas-International.

Eine Benefizausstellung mit Malerei, Grafik und Plastik von Dirk Pokoj für Ostafrika ist von 15. September bis 15. Oktober im Haus der Katholischen Kirche, Königstraße 7, Stuttgart-Mitte, zu sehen. Die Situation der von der Hungersnot betroffenen Länder in Ost-Afrika hat den auf dem Kieselberg bei Gaildorf lebenden Künstler veranlasst, als Beitrag zur Unterstützung der betroffenen Menschen Arbeiten aus Malerei, Graphik und Plastik für eine Verkaufsausstellung zur Verfügung zu stellen. Der Gesamterlös kommt der Ostafrikahilfe von Caritas-International zugute. Die katholische Kirchengemeinde berichtet Pokoj, habe sein Ansinnen mit großem Wohlwollen aufgegriffen und umstandslos die Räume zur Verfügung gestellt.

Angeboten werden Dispersionsmalereien auf Rohleinen. Zentrales Thema in Pokojs Schaffen sind so genannte "Figurationen", die er zunächst im Betonguss hergestellt hat. Später und auch während seines Stipendiums als Gaildorfer Stadtmaler im Jahr 2010 verwendete er hauptsächlich mit Dispersionsfarben. Bei den Figurationen handelt es sich um gesichtslose, zu Gruppen angeordnete Figuren, für die Pokoj einen eigens zugeschnittenen Pinsel verwendet.

Neben den Dispersionsmalereien wird Pokoj auch Plastiken neueren Datums in Stuttgart zeigen. Hinzu kommen Holzschnitte, die die Anfänge seines künstlerischen Schaffens umreißen.

Wer ein Kunstwerk kaufen möchte, kann sich an die Geschäftsstelle des Dekanats wenden. Gekaufte Arbeiten können sofort mitgenommen werden.

Bericht : Richard Färber 16.10.2009

Pokoj neuer Stadtmaler

Dirk Pokoj erhält das nächste Stadtmalerstipendium der Stadt Gaildorf. Der auf dem Kieselberg lebende Künstler tritt die Nachfolge von Johannes Prieß an. Pokoj hatte sich ebenfalls 2007 beworben.

Gaildorf. Dirk Pokoj sitzt im Gaildorfer Rathaus und schaut etwas beklommen. Über die Künstlerin Andrea Reksans war gesprochen worden, die, obwohl keine Stadtmalerin, im Schlosshof viel bewunderte Skulpturen mit der Motorsäge schuf und freudig mit jedem kommunizierte, und über den Stadtmaler Wolfgang Folmer, der mit seinen Bilderbäumen die Stadt eroberte.

Was aber den Bürgermeister und die Mitglieder des für den Stadtmaler zuständigen Arbeitskreises ins Schwärmen bringt, macht den 43-Jährigen eher nervös. Pokojs Kunst ist streng, bewusst farblos, und in der Vorbereitung, etwa wenn er Bodenplatten für Figurationen zusammen nagelt oder Stoffe betoniert, kein Ereignis, kein Hingucker -   und wer schwärmt, setzt Maßstäbe.

Dabei ist Pokoj umgeben von Bewunderern. Denn die Arbeiten des Künstlers, der seit 2002 auf dem Kieselberg wirkt, machen Eindruck: Es sind gesichtslose, geradezu szenenhaft angeordnete Figurengruppen aus Beton oder Bronze. Zwischenzeitlich erscheinen sie auch auf Leinwänden und erhalten durch diese Zweidimensionalität eine Richtung, die vorher nicht zu erkennen war. Will sagen: Anders als die szenischen Skulpturen, die man umrunden kann, bewegen sich die gezeichneten und gemalten Figurationen auf den Betrachter zu.

Die Entwicklung der Pokojschen Kunst wird also zumal in Gaildorf seit Jahren gespannt beobachtet. Und dass man ihn, der auch an der Förderschule mit Kindern arbeitet, kennt und schätzt, hat ihm nun auch das zehnte Stipendium eingebracht. Die Vergabe, die vorgestern bekannt gegeben wurde, erfolgte ohne erneute Ausschreibung. Pokoj hatte sich wie sein Vorgänger Johannes Prieß bereits 2007 beworben.

Da auch bei früheren Ausschreibun­gen in der Regel zwei Bewerber gekürt wurden, ist das nicht ungewöhnlich. Allerdings wurde Pokoj nicht von der Jury gewählt, sondern nachnominiert. Die nächste Ausschreibung soll 2010 laufen.

Pokoj, der nur das Atelier, nicht aber die Wohnung nutzen will, hat das Stipendium geteilt. Seine eigene Arbeit wolle er zunächst „zurücknehmen", erklärt der Künstler und stattdessen mit Menschen mit Behinderung eine Ausstellung erarbeiten. Vorgesehen sind wöchentliche Kurse für bis zu sechs Sonnenhofbewohner. Man werde „großflächig" arbeiten, nicht therapeutisch, sondern ziel- und ergebnisbewusst, sagt Pokoj. Die zweite Jahreshälfte ist dann für ihn selbst und seine Kunst reserviert: „Ganz eigennützig", so Pokoj, werde er sich dann auf eine Abschlussausstellung vorbereiten. Und als „Kür" will er sich als Führer betätigen und interessierte Menschen im Privat-Pkw zu Ausstellungen fahren.


 

        27.11.2010

Bleikammer und Büstenkabinett

 

Gaildorf.  "Grau in Grau" nennt Dirk Pokoj, zehnter Gaildorfer Stadtmaler, seine Abschlussausstellung. Seit Sonntag werden die Kunst gewordenen Dokumente seiner Arbeit in Gaildorf in der Galerie im Alten Schloss gezeigt.

Selten wurde einem Gaildorfer Stadtmaler so viel Ruhm zuteil wie dem zehnten, dem "hauseigenen" Dirk Pokoj, zweiter Vorsitzender der IG-Kunst, bei seiner Abschiedsausstellung in der Galerie im Alten Schloss.

"Grau in Grau" getitelt fiel ihre Eröffnung zufällig, aber irgendwie auch passend, auf Totensonntag. Bei der Vernissage verzichtete der Künstler deshalb bewusst auf musikalische Intermezzi zwischen den Ansprachen, besser gesagt, den Laudationes des Bürgermeisters Ralf Eggert, des IG-Kunst-Vorsitzenden Manfred Schwarz und des Holzkünstlers Martin Zecha. Statt Musik überraschte eine patinierte "Sculpture vivante" die Besucher, hinter der sich der als Mönch gewandete Gymnasiast Philipp Perus verbarg.

Bei seiner Einführung in die Ausstellung pries Zecha Pokoj um seine "sture Kreativität", seine archaisch-technische Experimentierfreude - "das Material findet ihn" -, seine Hilfsbereitschaft, seine Arbeit mit Kindern und Behinderten, etwa mit dem Sonnenhof Gaildorf, sowie seine autodidaktisch erlangte Virtuosität auf dem Klavier.

Die Ausstellung ist tatsächlich überwiegend unfarbig, am augenfälligsten der Gebrauch von Walzblei in Materialbildern bis hin zur Auskleidung ganzer Räume. Andere Materialbilder enthalten grünlichen Lehm aus der Gaildorfer Grube ("wunderbares Material" befindet Pokoj), Beton und Rost bzw. Eisenoxyd-Rot. Darstellungen in Schwarzwassertechnik auf Rohleinen erreichen teilweise eine Oberfläche von sechs Quadratmeter.

Bis auf drei "Jugendsünden" - zwei Holzschnitte und der Linolschnitt "Ratten" auf einem zerfressenen Matratzenschoner - sind die meisten Arbeiten in den letzten acht Wochen an Ort und Stelle entstanden. Von den 22 Exponaten tragen 17 den Titel "Figuration" (daher werden sie hier auch mit Verzeichnisnummern vermeldet).

Ein bekanntes Motiv Pokojs: karge Darstellungen von androgynen, mehr oder weniger abstrahierten Gestalten und Personengruppen, die miteinander in einem Beziehungsgeflecht stehen und, nach der Absicht ihres Schöpfers, den Betrachter einbeziehen sollen. Da bis auf Schattenwurf in Figuration 10 nirgends eine Standfläche der Figuren angezeigt ist, muss, damit das Auge diese ergänzen kann, die perspektivische Platzierung der Figuren haargenau stimmen.

Pokoj: "Das ist bei den großen Flächen schwierig, die ich zum Malen auf den Boden legen musste. Ein Ausbessern ist bei Dispersionsfarbe nicht möglich. Stunden verbringt man mit Luftzeichnen mit dem Pinsel in der Hand. Hat man dann das Bild einmal imaginär fixiert, muss es schnell gehen."

Verfremdung ist ein weiteres Thema: "Ohne Figuration 13 würde man nicht erkennen, dass es sich auch auf 12 um Figuren handelt." Bei 11 - kleines Figurenfeld in großem schwarzen Feld - ging es Pokoj um kompositorische Grenzerkundung. Figuration 4 gefällt dem Künstler am besten "wegen der schönen Komposition." Abgebildet sind Figurengruppen die in ihrer Abstraktion und Ballung schon beinahe an Notenschrift erinnern. Für seine Figurendarstellung hat sich Pokoj eigens einen Pinsel zurechtgeschnitten.

Der eigentliche Graumacher der Ausstellung ist das Walzblei. Zur Erzeugung verschiedener Grautöne kombinierte der Künstler altes und neues Blei. In den kleinflächigeren Materialbildern 2 und 3 habe er die Verarbeitungsmöglichkeiten des Metalls getestet: "Biegen, falten, polieren, oxydieren, patinieren; Nietlöcher als Jackenknöpfe." Der Willo-Rall-Raum wurde gänzlich mit Bleibahnen ausgekleidet, darauf - spärlich ausgeleuchtet - "Figuration im Schnee" 1 mit übermannshohen Figuren, "in die sich der Betrachter einreihen soll und Teil der Landschaft werden."

Das ebenfalls bleiverkleidete "Büstenkabinett" im Peter-Jakob-Schober-Saal enthält ein satirisch gemeintes Selbstporträt mit heroisch gerecktem Kinn, bestehend aus mit Walzblei überzogenem Betonguss.

In einer Ecke quasi versteckt hängt ein in Öl gemaltes Selbstporträt: "Eigentlich passt dies nicht hierher. Aber Abstrakt wird glaubhafter wenn man nebenher zeigt, dass man auch nach der Natur malen kann - siehe Picasso."

Figuration 5 zeigt eine Verschachtelung von Gesichtern: "Illustrativ macht ab und zu Spass, wird aber nie mein Ausdrucksmittel werden". Gelungen findet Pokoj das einzige dreidimensionale Exponat "Figuration am Tisch 6 : "Die Person fühlt sich vom Betrachter ertappt. Sie verbirgt etwas". Zum ersten Mal hat der Künstler hier eine Legierung aus Lehm und Beton verwendet. "Künftig will ich mehr damit arbeiten. Diese Mischung hätt ich gern selbst erfunden."