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Autor: IRMTRAUD KOCH | 28.07.2012

Wie man einen Raum einnimmt

Die zierliche, mädchenhaft bezopfte Frau, die mit ihrem alten sanftäugig-zotteligen Riesenhund die Straßen Gaildorfs von und zum Schloss durchwandert, ist inzwischen keine Unbekannte mehr: Daniela Weber, die diesjährige, zwölfte Stadtmalerin mit ihrer Muse Jeremy. Vor Kurzem hat sie sich den Gaildorfern auch künstlerisch geoutet. Sie, die sich an keine spezielle Kunstrichtung bindet und die von sich selbst sagt: "Die Hand macht nicht immer, was der Kopf schon weiß", hatte lang darüber nachgedacht, wie sie den Gaildorfern künstlerisch gegenübertreten sollte.

Aus dem Wunsch heraus, so viele Menschen wie möglich einzubeziehen, entschloss sie sich zu einer Performance - betitelt "A-Z", bei der sie das Gaildorfer Telefonbuch vorlas, "weil da noch am meisten das ,Alle drin enthalten ist." Seit ihrem Studium bei Rolf Thiele an der Bremer Kunsthochschule hat sie mit Performances experimentiert, hat nach Sportübungen einen Schweißabdruck ihres Körpers genommen, in einer Sozialwohnung ein Hotel entwickelt und betrieben, die Decke und Wände eines Raums vollgeschrieben mit den Erfahrungen eines Tages und um die Wette mit Freund Achim Sack Jeremy in Marmor-, Schoko- und Sandkuchen nachgebildet. Bei Performances wie auch bei Installationen, erklärt sie, stelle sich als Hauptaufgabe die Frage: Wie nimmt man einen Raum ein?

Als Raum wählte sie den Gaildorfer Marktplatz. In einem schwarzen Habit, den langen Zopf geschürzt, trat sie hinter ein schlankes Möbel des Holzkünstlers Stefan Vollrath - halb Rednerpult halb Tabernakel - und begann, weiß beschirmt, das aktuelle Telefonbuch von Gaildorf zu rezitieren, das mit "Gaildorf 0 79 71, A, A, A, A, A, A, A, AB" beginnt und nach 58 Seiten mit der Rubrik "0-9" endet. Bekannte und unbekannte Namen wehten vorbei.

Kommentar eines Zuhörers "Wie beim Arzt: Man muss warten, bis man aufgerufen wird." Die Zeitlichkeit eines Telefonbuchs wurde offenbar: Ex-Bürgermeister Eggert hält darin noch die Stellung. Und bei einem Namen unter B sagte jemand: "Die ist gerade gestorben!" In ampelgesteuertem Rhythmus überspülte Motorenlärm die durch Schauspielunterricht geschulte Stimme der Künstlerin ähnlich dem Quodlibet eines Großbahnhofs. Die Menschenmenge jedoch fehlte. Passanten zeigten sich befremdet, guckten scheu. Aber Freunde, Bekannte und Kollegen kamen, verweilten gesellig, gingen, kamen wieder.

Die Meinungen zur Darbietung divergierten. Die Künstlerin Jutta Lamprecht aus Winzenweiler etwa sagte enttäuscht: "Telefonbuch lesen kann ich auch alleine" und wandte sich heimwärts. Der Gaildorfer Künstler Dirk Pokoj, Stadtmaler 2010, war jedoch begeistert: "Die Idee ist zwar nicht neu, aber die Details stimmen: das Pult, der Schirm die Kleidung. Kein besserer Platz dafür als der Marktplatz. Der Autolärm gehört dazu. Ich habe in Bronnbach mit Dada experimentiert. Fühle mich seelenverwandt." Und die Erfahrung der Stadtmalerin: "Reine Performances sind beim Publikum nicht so beliebt. Das zu Erwartende: Man spricht in die Menge, die nicht vorhanden ist und wo die Zuhörer weghören, weil sie in Gespräche vertieft sind. Irgendwann begann ich, zu den bei grüner Ampel anfahrenden Autofahrern zu sprechen, weil die hergeguckt haben. Mit den Zuhörern, die sich auf mich konzentriert haben, habe ich Blickkontakt gesucht."

Fünfeinhalb Stunden dauerte die Lesung, nur unterbrochen von zwei Pausen - "kurzen, sonst macht man nicht weiter". Die Angst vor dem Versagen blieb bis zuletzt. Durch das lange Stehen gefror ihr das Blut in den Adern, sie bekam taube Hände, der Text verschwamm vor den Augen, die Stimme wurde zum Reibeisen. Dann war es geschafft: Verbeugung, Erleichterung, ein Zigarettchen drehen, Glückwünsche der Umstehenden. Euphorischer Kommentar: "Ein Endorphine-Schub wie beim Fallschirmspringen." Und einen Tag später: "Na ja, nach drei Cuba Libre im Strandcafé konnte ich wieder klar denken." Sie lacht noch etwas heiser.

  Autor: RICHARD FÄRBER | 06.06.2012

Auf Selbsterkundung

Gaildorf.  Im Alten Schloss ist die Kunst zu Hause. In diesem Jahr mit Hund. Daniela Weber ist die zwölfte Gaildorfer Stadtmalerin, und wie viele ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger dabei, sich neu zu erfinden.

"Wenn man weiß, das endet irgendwann, ist man nicht richtig zu Hause", sagt Daniela Weber. Sie weiß, dass sie Ende des Jahres von Gaildorf nach Berlin zurückkehren wird, sei nimmt aber auch wahr, dass Barrieren fallen, dass sich die Distanz zur neuen Umgebung verringert. Neulich hat sie sich erstmals aufs Fahrrad geschwungen, ist mit einigen Gaildorfern eine kleine Runde gefahren. In Berlin, in der Großstadt radelt sie täglich, in der ungewohnten ländlichen Gegend um Gaildorf fiel es ihr schwer. Das "Radtürchen" mit Hunden, elf Kilometer bergauf-bergab in fünfzig Minuten, tat ihr gut: "Danach war ich im Alltag angekommen."

Was Daniela Weber derzeit in Gaildorf erlebt, haben vor ihr bereits elf Künstlerinnen und Künstler durchgemacht. Die Stadtmaler leben und arbeiten für ein Jahr im Schloss, ihr Stipendium beinhaltet Wohnung, Atelier und Taschengeld. So viel Freiheit bietet diese Stadtmalerei, dass manche der Stipendiaten ihr gewohntes Kunst-Terrain verließen und sich neu erfanden.

Auch Daniela Weber ist auf dem Absprung zu etwas Neuem. In Berlin war sie Installationskünstlerin, in Gaildorf ist sie Beobachterin und ihre liebsten Beobachtungsobjekte sind ihr Hund Jeremy, die Gaildorfer Hundeszene und sie selbst. Sie erkundet die Umgebung, sie nimmt wahr, was die Gaildorfer umtreibt - etwa die Diskussion ums Krankenhaus - , sie ist in Kontakt mit der örtlichen Kunstszene, sie bewundert den Umgang der Gaildorfer mit ihrer Historie und bestaunt das Stadtmuseum, das sie selbst als vorzüglich bezeichnet, das aber kaum ein Tourist findet, der auf dem Kocher-Jagst-Radweg vorbeikommt.

Und sie malt. Hunde natürlich. Die Vorlagen liefern Fotos von Hunden, die sie auf ihren Spaziergängen mit Jeremy macht. Nun denkt sie sich Szenerien mit diesen Hunden aus, spielt mit Geschichten, Märchen und Mythen und rätselt, wo sie mit solchen Darstellungen wohl landen wird.

Daniela Weber hat sich Leinwände gebaut, in der "üblichen Materialdoofheit", grinst sie - die Leinwände passen gerade noch durch die Tür des Ateliers. Auf einer dieser Leinwände befindet sich ein begonnenes Gemälde, das Jeremy beim Spiel mit einem anderen Hund zeigt. Sie frage sich, sagt Daniela Weber und schaut das Bild an, ob man die Darstellung des Schönen, Angenehmen auf Dauer überhaupt aushalten könne. Und für jemanden, der weiß, dass er nur vorübergehend in Gaildorf zu Hause sein und dass ein Ende kommen wird, ist das keine schlechte Arbeitsthese.

Autor: RICHARD FÄRBER | 23.03.2012

Erste Amtshandlung: Stadtmalerin Daniela Weber besucht Kindergarten Großaltdorf

Gaildorf.  Die Gaildorfer Stadtmalerin Daniela Weber war gestern erstmals amtlich unterwegs: Die Kinder des Kindergarten Großaltdorf bestaunten ihre Hundebilder und fragten sie Löcher in den Bauch.

Für Daniela Weber ist Gaildorf derzeit vor allem eine Hundestadt. Das liegt an Jeremy, ihrer vierbeinigen Muse, und an dessen vielen neuen Bekannten, die von der Stadtmalerin fotografiert, teilweise auch gemalt wurden. Und auf dem historischen Foto des Grafen Gottfried hat sie das "Bürschle von der Blau" vom Hocker stibitzt und durch Jeremy ersetzt; der längst verblichene Graf und der quicklebendige Mischling wirken auf der Montage wie alte Kumpels.

Die beiden Fotos, das alte und das "frisierte", hat Daniela Weber zu den anderen Hundebildern an die Wand des neuen Spielzimmers im Kindergarten Großaltdorf gehängt, wo sie aber kaum Beachtung finden. Die Mäuse- und die Käferkinder finden die vielen verschiedenen Hundepersönlichkeiten auf den Fotos viel interessanter, küren ihre persönlichen Lieblinge, und finden nach und nach heraus, dass es den Beagle gleich mehrmals gibt, sogar als Gemälde, und dass da noch vier vortreffliche Charakterporträts von Jeremy hängen, die Daniela Weber pingeligst mit der Stahlnadel gezeichnet hat.

Der Besuch - Webers erste Amtshandlung als Stadtmalerin - kommt nicht von ungefähr. Die 51 Drei- bis Sechsjährigen des Großaltdorfer Kindergartens haben ein Projekt mit dem Titel "Die Welt ist voller Farben" begonnen. Das ist wörtlich zu nehmen: Zwar wird auch gemalt, im Wesentlichen aber geht es darum, die Welt der Farben zu entdecken und auch die Menschen, die sich mit Farben beschäftigen - Künstler zum Beispiel. Und nachdem das Team um Kindergartenleitern Uta Michael die RUNDSCHAU-Berichte über die zwölfte Stadtmalerin studiert hatte, fiel eine Entscheidung: "Ich ruf da jetzt an", sagte die Praktikantin Tatjana Eichele.

Zwar zuckt die Konzeptkünstlerin etwas zusammen, als sie von Uta Michael als "Malerin" bezeichnet wird, mit den Kindern aber, die sich nicht für solche Kategorien interessieren, sondern erzählen, was sie sehen und sagen, was sie denken, wird sie schnell warm. Und umgekehrt: Irgendwann fällt ein neugieriger Kinderblick auf das Bild einer Chimäre, halb Mensch, halb Hund, das Daniela Weber mit an die Wand gehängt hat, und da gibt’s natürlich viel zu fragen, und schließlich entdecken die Kinder auch ein Gemälde, das die Stadtmalerin etwas abseits aufgestellt hat. Es zeigt einen doppelten Jeremy und eine doppelte Daniela, einmal mit nach oben gerecktem Gesicht und einmal - "sagt ihr so?" - beim "Spinne machen". Sie habe einfach aus vier Fotos ein Bild gemalt, erklärt Daniela Weber, und grinst: Nein, das da unten ist keine Tasche, sondern ein Gesicht.

Autor: Cornelia Kaufhold | 19.01.2012

Gaildorf.  Jeremy will nichts als seine Ruhe. Die kann er in Gaildorf haben. Sein Frauchen ist mit ihm von Berlin hierher übergesiedelt. Sie ist die Stadtmalerin.

Gemütlich trottetet er über die Kocherbrücke, ohne Leine. In Berlin darf er als freier Hund laufen. In Gaildorf ist das ein zweifelhaftes Vergnügen, wie er gestern bei einer Begegnung mit einem ungemütlichen Schäferhund feststellen musste. Um Martin Zechas Blumenladen macht er auch schon einen großen Bogen. Den Laden bewacht eine wehrhafte Katze. Was helfen 35 Kilo Lebendgewicht gegen gut geschärfte Krallen. . . - Der Empfang für Frauchen gestern Nachmittag im Rathaus war dagegen ganz nach Jeremys Geschmack. Er hatte - bis auf den Fototermin - seine Ruhe. Es ging nur um Frauchen. Er ist lediglich ihr Markenzeichen. Als 12. Stadtmalerin hat sie ein Stipendium für ein Jahr und keinerlei Verpflichtungen, theoretisch zumindest. Im Häberlen kann sie mal öfter ausstellen und bei der IG Kunst. Beim Empfang kommt ziemlich schnell die Rede auf ihre Vorgängerin Heike Walter. Sie hat die Messlatte hoch gelegt, nicht nur, was ihre künstlerischen Aktivitäten angeht. Sie hat sich unters Volk und mitgemischt.

Wie es der Zufall will, kennen sich beide recht gut. Daniela Weber kommt vermutlich nicht völlig ahnungslos nach Gaildorf. Sie wird wissen, wie sehr die Gaildorfer Anteil an ihrem Leben nehmen und hat das gestern Morgen live erlebt. Ein Herr stand vor ihrer Tür, leider hat ihn Daniela Weber nicht verstanden. Schwäbisch muss sie noch lernen. Das machte ihr der Erste Beigeordnete Bartenbach klar: "Da kommen wir Ihnen nicht entgegen."


Autor: RICHARD FÄRBER | 17.01.2012

 Gaildorf.  Am Samstag sind sie angekommen: Daniela Weber, die zwölfte Gaildorfer Stadtmalerin, und ihre Muse, der Briard-Mischling Jeremy. Ein Jahr lang werden Künstlerin und Hund im Gaildorfer Schloss leben.

In Berlin leben die Künstlerinnen Heike Walter und Sabena Daniela Weber, Rufname Daniela, Tür an Tür. Was sie verbindet ist eine langjährige Freundschaft und nun auch das Gaildorfer Stadtmaler-Stipendium: Heike Walter hat im letzten Jahr als elfte Stadtmalerin im Alten Schloss gelebt und gewerkelt, Daniela Weber gehört das Gaildorfer Jahr 2012. Der Wechsel gelang, wie man so schön sagt, fließend: Rolf Deininger, der sich seit Jahren um die Stadtmaler kümmert, half Heike Walter, ihre Sachen nach Berlin zu bringen und fuhr beladen mit Daniela Webers Habseligkeiten zurück in den Süden.

Ihr wichtigstes Mitbringsel spielt gerne Bettvorleger. Jeremy ist ein zwölf Jahre alter Briard-Mischling, den Daniela Webers Freund Achim Sack einst irgendwo bei Bonn auf der Autobahn einfing. Bei der Welpenjagd solls zu einem mittleren Stau gekommen sein. Jeremy sei ihre Muse, sagt Daniela Weber. Als Künstlerin sei sie - "das ist meine Schwierigkeit" - nicht auf ein Medium festgelegt. Sie arbeite konzeptionell, verfolge und entwickle Ideen, und Jeremy sei darin die Konstante: "Man setzt sich mit dem auseinander, was einen betrifft", sagt sie, "Jeremy ist mein Lebensinhalt."

Daniela Weber wird demnächst 37 Jahre alt. Geboren ist sie in Marl, das Abitur hat sie auf dem zweiten Bildungsweg in Bremen gemacht. Wie Heike Walter hat sie dort, allerdings zeitversetzt, bei Professor Rolf Thiele studiert. Noch während des Studiums zog sie nach Berlin, kellnerte und begann dann beim Theaterhaus Mitte zu jobben. In den letzten beiden Jahren hat sie diesen Job intensiviert, einen schauspielmethodischen Grundkurs absolviert, bei Theaterproduktionen mitgewirkt. Wie auch Heike Walter war sie an der Gründung des Kulturpalast Wedding beteiligt.

Als sie erfuhr, dass sie Heike Walters Nachfolgerin im Alten Schloss zu Gaildorf werden würde, habe sie schnell viele Pläne gehabt, erzählt Daniela Weber. Mittlerweile aber habe sie davon lieber wieder Abstand genommen. Sie wolle abwarten, schauen, was passiert und sich einstweilen darum kümmern, dass Jeremy in Gaildorf Freunde findet.

Auch künstlerisch ist sie mit leichtem Gepäck angereist. Die deutsche Erstausgabe der Frank Zappa-Liedtexte hat sie mitgebracht, ihren Duden, unnötigerweise auch einen Weltatlas, eine Zeichnung und ein halbfertiges Bild, von dem sie nicht weiß, ob sie es fertig malen wird, weil sie es nicht als Manko empfindet, wenn ein Bild nicht fertig gemalt ist.


Bericht : RICHARD FÄRBER \ 16.11.2011

Eine Mappe fällt aus der Reihe

Berliner Künstlerin erhält 12. Gaildorfer Stadtmalerstipendium

Gaildorf.  Das Urteil der Jury war einhellig: Daniela Weber aus Berlin erhält das zwölfte Stadtmalerstipendium der Stadt Gaildorf. Insgesamt hatten sich 15 Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland beworben.

Etwas mehr als eine Stunde benötigte die Jury für das zwölfte Gaildorfer Stadtmalerstipendium, dann stand die Wahl fest. Die aus Marl stammende, in Berlin lebende und arbeitende Künstlerin Daniela Weber wird im nächsten Jahr die Künstlerwohnung im Torhaus des Alten Schlosses in Gaildorf beziehen und im Stadtmaler-Atelier arbeiten. Kennenlernen kann man sie bereits am kommenden Sonntag: Die 36-Jährige hat sich zur Eröffnung der Abschlussausstellung ihrer Vorgängerin Katja Walter angekündigt. Die beiden Künstlerinnen kennen sich vom Studium und von der gemeinsamen Arbeit im Kulturpalast Wedding.

Bei der Wahl habe das allerdings keine Rolle gespielt, betonen die Jury-Mitglieder. Für Reinhild Ahston, Verena Geiger, Michael Klenk, Sonja Streng, Angelika Weingardt und Bärbel Ulmer war Webers Bewerbung schlicht herausragend. Die Künstlerin hatte mehrere ausführliche Dokumentationen verschiedener Projekte vorgelegt und schon in ihrem Bewerbungsschreiben zu erkennen gegeben, dass sie sich nicht einfach um ein Stipendium bewerben möchte, sondern um den möglichst fruchtbaren Kontakt mit einer neuen Umgebung.

Welche Potenziale sich dadurch ergeben können, zeigt ein Blick in Webers Bewerbungsmappe. Ein mit Tagebucheinträgen beschriebenes Zimmer ist darin dokumentiert, ihre mit den Worten "ich habe im Studium nicht gemalt, außer am Ende" kommentierte Diplomarbeit, ferner Fotos von Ausstellungen, Installationen und von einer Hundeskulptur aus Butter, Sand und Schokoladenkuchen.

Auch die Einrichtung eines Hotelzimmers in Bremen gehört dazu - "mit Knoll-Sesseln", grinst Heike Walter, die ebenfalls in den Wurmbrandsaal gekommen ist, und deutet auf ein Foto, auf dem ein Sessel zu sehen ist, dessen Design an die Produkte des einstigen Gaildorfer Möbelherstellers erinnert.

Webers Bewerbung liegt auch nicht in dem "Trend", der in der diesjährigen Bewerbungsrunde sichtbar wird. Figürliche Darstellungen und eine Tendenz zum Surrealismus seien erkennbar, stellt Michael Klenk fest. Bei durchwachsener Qualität: Es gab meisterliche Bewerbungen ebenso wie epigonale, bei denen, wie Klenk sagt, ein persönliches künstlerisches Profil nicht zu erkennen gewesen sei und die deshalb schnell aussortiert wurden. Gestutzt und lange nachgedacht hat die Jury bei den Mappen von Karin Brosa und Robert Matthes, beide Künstler leben in Remseck. Ihre eigenwillig erzählenden Gemälde haben Brosa den zweiten Platz verschafft. Anders als in den vergangenen Jahren wird sie nicht automatisch das 13. Stipendium erhalten. "Wir schreiben auch 2012 wieder aus,", sagt Rolf Deininger vom Arbeitskreis, der sich um die Stadtmaler kümmert.

Überaus zufrieden ist man mit der Resonanz auf die Ausschreibung. Die Bewerbungen kamen aus ganz Deutschland, eine gar aus der benachbarten Schweiz. Keine dieser Bewerbungen sei richtig schlecht gewesen, sagt Klenk. Dass das monatliche Salär der Stadtmaler von 300 auf 500 Euro erhöht wurde, dürfte dabei nur eine geringe Rolle gespielt haben, mutmaßt der Künstler und Leiter der Haller Akademie der Künste. Das Interesse zeige, dass Gaildorf sich in der Kunstszene einen Namen, ein Renommee erarbeitet habe.