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    Autor: IRMTRAUD KOCH | 06.08.2012

Stadtmalerin Angelika Weingardt stellt in Chatres aus

Im Kreis der großen Glaskünstler

 

Chartres/Bühlerzell/Gaildorf.  Ein Projekt, das es in sich hat: Angelika Weingardt aus Bühlerzell, einst Stadtmalerin in Gaildorf stellt im französischen Chartres aus - zusammen mit Größen der Glasmaler-Szene wie Lüpertz und Richter.

Gaildorf ist stolz auf seine Stadtmaler, ganz besonders natürlich, wenn über Erfolg und Anerkennung berichtet werden kann, wie sie etwa der Glaskünstlerin Angelika Weingardt zurzeit zuteil werden. Die in Bühlerzell wohnhafte Künstlerin, die 2001 das Stadtmalerstipendium innehatte, ist mit ihren Arbeiten auf einer Ausstellung in Chartres (Frankreich) vertreten, an der deutsche Künstler von Weltruf wie etwa Markus Lüpertz, Gerhard Richter, Sigmar Polke und Heinz Mack teilnehmen.

Das Centre international du Vitrail in Chartres hat 25 deutsche Künstler eingeladen, deren Arbeiten die "LArt Contemporain du Vitrail en Allemagne", also zeitgenössische Glaskunst in Sakralbauten Deutschlands, spiegeln sollen. Weingardt ist mit ihren Fenster-Entwürfen für die Regiswindiskirche in Lauffen am Neckar vertreten, die sie 2008 geschaffen hat. Dargestellt sind scherenschnittartige Weinrankenmotive auf strahlend lichtbrechendem opalartigen Tafelglas (wir haben berichtet).

Die meisten Aussteller haben sich wie Weingardt auf Glaskunst spezialisiert. Etwa ein Drittel sind jedoch Künstler, die unter anderem auf und mit Glas gearbeitet haben wie etwa der Maler-Bildhauer Imi Knoebel, der für die Kathedrale von Reims (Frankreich) sechs dem Chagall-Fenster benachbarte Werke gestaltet hat, oder der Maler-Grafiker-Bildhauer Markus Lüpertz, der Kirchenfenster für die Kathedrale von Nevers (Frankreich) und St. Andreas in Köln geschaffen hat und natürlich der Maler-Bildhauer-Fotograf Gerhard Richter mit seinem viel besprochenen Fenster-Geschenk für den Kölner Dom.

Glaskunst-Arbeiten von Angelika Weingardt - in der näheren Umgebung - befinden sich unter anderem in der Evangelischen Stadtkirche und im Rathaus in Gaildorf, in der Kilianskirche in Fichtenberg, auf dem Friedhof in Crailsheim-Tiefenbach, in Marbach am Neckar und in der Matthäuskirche in Stuttgart.

 Ausstellungsdauer
Wegen der extremen Schwierigkeiten beim aufwändigen Transport der Glaskunst-Exponate läuft die Ausstellung in Chartres besonders lang, nämlich bis zum 30. September nächsten Jahres.

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 9.30 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 18 Uhr; Samstag 10 bis 12.30 Uhr und 14.30 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen 14.30 bis 18 Uhr.

   Bericht IRMTRAUD KOCH ( 7.11.2008)

Glaskunst mit Katzenbeißer

Frühere Stadtmalerin Angelika Weingardt entwarf Lauffener Kirchenfenster

 

Die Glaskünstlerin hat ganze Arbeit geleistet: Angelika Weingardt aus Bühlerzell, früher Gaildorfer Stadtmalerin, hat die neuen Chorfenster der Kirche in Laufen am Neckar entworfen.

  Bühlerzell/Lauffen .  Vor kurzem konnten in Lauffen am Neckar mit einem ganztägigen Festprogramm die neuen Chorfenster der nach einer Ortsheiligen benannten Regiswindiskirche eingeweiht werden. Der Entwurf für diese Fenster stammt von der Bühlerzeller Glaskünstlerin Angelika Weingardt, im Jahr 2001 Stadtmaler-Stipendiatin in Gaildorf. Damit schlug Weingardt ein neues Kapitel in der Baugeschichte der ehrwürdigen Kirche auf, deren Grundstein 1227 gelegt wurde.

  Angelika Weingardt hatte sich im Frühjahr 2007 als eine von fünf Geladenen an dem ausgeschriebenen Wettbewerb der Landeskirche beteiligt und diesen gewonnen. Das vorgegebene Thema hieß "Wein" in der Absicht, christliche Symbolik mit dem weltberühmten "Katzenbeißer" Lauffens zu verkorken.

Ein mit Weinranken gefüllter Jutesack, einst Geschenk ihres Bruders ("Kannst du sowas brauchen?") brachte Weingardt auf die Idee, Weinreben und Ranken in der natürlichen Grilligkeit ihres Wuchses als Ausgangspunkt zu nehmen. Im Kontrast zum relativ bunten Kirchenraum schmückte sie die sechs 10 Meter hohen und 1 bis 1,40 Meter breiten Chorfenster mit schwarz-weiß wirkender Ornamentierung: Gegen den opalartigen, leicht getönten, strahlend lichtbrechenden Hintergrund von mundgeblasenem Tafelglas rankt sich schwarzes Zweiggeflecht bis in die Spitzbögen der Fenster hinein. Das Rankwerk wird vom Strukturmuster der Bleiruten definiert, angefüllt durch Malerei in schwarzer Farbe. Mit dieser farbarmen und rein ornamentalen Gestaltung referiert Weingardt an Grisailletechnik, die im Mittelalter - in das auch die Bauzeit der Kirche fällt - auch bei Glasmalerei in Schwang kam.

  Vor allem die Zisterzienser unter ihrem Abt Bernard von Clairvaux führten figurenlose Schwarz-Grau-Weiß-Darstellungen ein als Gegenmaßnahme zu den damals vorherrschenden allzu farbig-figürlichen, von der Andacht ablenkenden Glasfenster. Übertriebene Bildverehrung sei auch heutzutage ein Thema, meint die Künstlerin, man denke nur an Werbung und Medien.

  Indes harmoniert die feingliedrige Rankendarstellung aufs Schönste mit der feinen Deckengestaltung der Kirche und dem Schnitzwerk der Orgel. Die gesamte Oberfläche der Verglasung beträgt 65 Quadratmeter und setzt sich aus gut 10 000 durch Blei verbundene Einzelteile zusammen: für die Künstlerin und für die ausführende Paderborner Firma eine Heidenarbeit.

   


      Bericht :  RICHARD FÄRBER  (29.03.2008)

Die Stadt und ihre Künstler

Seit 1997 vergibt Gaildorf Kunst-Stipendien: Die Stadtmaler ziehen für ein Jahr ins Schloss

  „Unser Stadtmaler“ : Wolfgang Folmer verzauberte im Sommer 2003 mit seiner Kunst nicht nur die Gaildorfer Kinder.

Ein bisschen despektierlich klingt das schon, aber wie will man's anders ausdrücken: Seit 1997 hält sich Gaildorf eigene Künstler und ist damit glücklich. Im Herbst soll „Stadtmaler" Nummer Neun antreten.

Gaildorf. Wonkun Jun mochte das Gaildorfer Bier, zählte ansonsten aber eher zu den Stillen. Ab und zu sah man den damals 34-jährigen Koreaner, der heute in Düsseldorf lebt, still und freundlich lächelnd in der Kulturkneipe stehen. Dass er den wechselhaften Himmel, die Felder und Wälder, die Erde, den Kocher und den am Ufer angeschwemmten Sand regelrecht studiert hatte, erfuhr man erst durch seine bis zur Pastell-Anmutung ausgewaschenen Acryl-Quadrate: Wonkun Jun, der 2004 Stadtmaler in Gaildorf war, hat der Schenkenstadt keine Bilder gegeben, aber er hat ihre Farben entdeckt. Keiner seiner Vorgänger hat so viele Arbeiten verkauft.

  Gegenleistungen werden offiziell nicht erwartet

  Dabei hätte er gar nichts tun müssen. Denn mit ihrem so genannten Stadtmaler- Stipendium zeigen sich die Gaildorfer ausgesprochen großzügig. Wer von der Jury erwählt wird, erhält die Schlüssel zu einer zwischenzeitlich schön sanierten Wohnung und zu einem Atelier im Alten Schloss sowie für die Dauer von einem Jahr monatlich 300 Euro. Gegenleistungen werden zumindest offiziell nicht erwartet. Die Ausbeute bei diesem bundesweit bisher wohl einmaligen Konzept ist dennoch oder gerade deswegen bisweilen exorbitant.

Kosten-Nutzen-Denker kommen eher nicht auf solche Ideen. Als Vater der Gaildorfer Stadtmaler muss deshalb Diethelm Reichart gelten, ein äußerst kommunizierfreundlicher Künstler, den es vorübergehend von Stuttgart ins Limpurger Land verschlagen hatte. Für Reichart, der das Alte Schloss im Jahr 2000 mit tausenden bemalter Fahnen aus aller Welt behängen ließ, ist Kunst nicht zuletzt Interaktion; seine Stadtmaler-Idee sollte nicht nur künstlerische, sondern auch soziale Spielräume öffnen.

Natürlich trat das Konzept nicht fertig und in seiner heutigen Gestalt in die Welt. Den ersten Stadtmaler nickte der Gemeinderat ab und ließ ihn werkeln. Er hieß Heinrich Knopf, trat 1997 an und bescherte den Gaildorfern gleich einen handfesten Kunstskandal. Auslöser war die von Knopf initiierte Ausstellung „skulpturen-ort", an der auch der 2006 verstorbene Künstler Peter Guth aus Ellwangen teil nahm. Guth stellte ein altes Doppelbett auf den Marktplatz.

Der lustige ästhetische Streit, der daraufhin in Gaildorf entbrannte, verdeckt ein wenig den drohenden strukturellen Flurschaden. Denn Knopf hatte sich als Galerist betätigt und damit im Zuständigkeitsbereich der Interessengemeinschaft Kunst gewildert, die seit 1995 das brach liegende Ausstellungswesen in Gaildorf beackerte. Der Konflikt wurde formell durch die Gründung eines „Förderkreis Stadtmaler" beigelegt, der sich noch heute um die Stadtmaler kümmert; da Knopfs Nachfolgerin Sabine Arnold aber immer noch über Spannungen klagte, übernahm schließlich kurzerhand die Stadt die Schirmherrschaft und sorgte für eine gedeihliche Ruhe.

Die inzwischen acht Stadtmalerinnen und Stadtmaler, die bisher zumeist aus dem Umfeld der Stutt­garter Kunstakademie kamen, mussten sich mit einer ungewöhnlichen Situation auseinander setzen. Gaildorf ist eine Kleinstadt, in der man nicht unbemerkt bleibt. Zum Stadtmalerstipendium gehört daher zwingend der Status eines lokalen Prominenten.

Bisher aber war das kein Problem, im Gegenteil. Die freundliche und offene Neugier, mit der die Gail­dorfer den Stadtmalern begegnen, ergibt einen fruchtbaren Boden. Die dritte Stadtmalerin Sumiko Shöji beispielsweise, eine Japanerin, die heute mit ihrer Familie in Gaildorf-Unterrot lebt, wandte sich von sich selbst ab. Das darf wörtlich genommen werden: Shöji beschäftigte sich mit den Bildern von anderen, etwa aus privaten Fotoalben, und fand in hermetisch wirkenden Installationen zu einer Sprache der Bilder und Formen, die das Gewicht des Fremdseins beschreibt. Aus Sumiko Shöjis Wirken lässt sich Verallgemeinern. Denn die meisten Stadtmaler nutzten das Stipendium, um sich Dingen zuzuwenden, für die sie sonst keine Muse hatten.

  Der siebte Stadtmaler liefert sich der Stadt komplett aus

Angelika Weingardt, eine Glaskünstlerin, beschäftigte sich hauptsächlich mit Zeichnungen, obwohl sie auch Kirchenfenster gestaltete und ein Mosaik im Freibad legte.

Emanuel Anthropelos entpuppte sich als Musiker und Performance-Künstler, konnte sich aber letztlich auch der architektonischen Reize nicht erwehren, die zumal das Alte Schloss auf ihn als bildenden und zeichnenden Künstler ausübte.

Der letzte Stadtmaler Nikolaus Cinetto, der wegen dringender Sanierungsarbeiten nicht mehr im Alten Schloss wohnen konnte, legte seine Druckstöcke beiseite und beschäftigte sich stattdessen mit Makro- und Direktfotografien.

Alle diese Stadtmalerinnen und Stadtmaler arbeiteten mehr oder weniger im offenen Atelier, gingen auch in Schulen, arbeiteten mit Kindern oder beteiligten sich am Ferienprogramm. Der siebte Stadtmaler aber lieferte sich der Stadt komplett aus. Wolfgang Folmer hatte bereits vor Antritt seines Stipendiums begonnen, Bilder in Baumstämme zu ritzen und davon Abzüge zu machen. Nun gehörte er zum Stadtbild, und die Bilder, die er aus unerschöpflichen Quellen zu schöpfen schien und in die Rinden der gespendeten Bäume schnitt, wurden die Bilder seiner Zuschauer.

Was immer die Gaildorfer über diese seltsamen Menschen gedacht haben mögen, die da regelmäßig als Künstler im Städtchen auftauchten, war nun obsolet. Bei Folmer hat man's zum ersten Mal laut und deutlich gehört: „Unser Stadtmaler!"


Bericht und Foto:  RICHARD FÄRBER (29.03.2008)

Kurze Wege: Kunst in der Öffentlichkeit

 

2006 hat der letzte Stadtmaler die Stadt Gaildorf verlassen. Dann war Pause, weil das Alte Schloss saniert werden musste. Nun wurde das Stipendium erneut ausgeschrieben.

 

Gaildorf. Es ist schon bemerkenswert: Abgesehen von dem vor allem ästhetischen Stunk um das Guth'sche Doppelbett (Bericht auf dieser Seite) wurde das Gaildorfer Stadtmaler-Stipendium nie kontrovers diskutiert.

Geht's darum, die Ausschreibung zu beschließen, entscheidet der Gaildorfer Gemeinderat gewöhnlich einmütig und in rekordverdächtiger Geschwindigkeit - allenfalls ein Lob gibt's noch als Dreingabe.

Dabei dürfte der Aufwand nicht gering sein. Immerhin bezahlt die Stadt monatlich nicht nur 300 Euro sondern übernimmt auch die Miete und die Nebenkosten für die Unterkunft der Kreativen. Und nun, wo die Stadtmaler-Wohnung im Alten Schloss aufwendig saniert wurde, könnte man sich sicherlich auch eine andere, gewinnbringendere Nutzung vorstellen. Dass niemand auf solche Gedanken kommt, liegt nicht nur an den Stadtmalern selber, die Gaildorf zumindest in Kunstkreisen bekannt gemacht haben. Es liegt grundsätzlich am Zusammenwirken der Kunst mit der Öffentlichkeit in Gaildorf.

Denn lange Zeit gab's im Alten Schloss zunächst das Atelier von Diethelm Reichart, dann ein Gemeinschaftsatelier, in dem auch Angelika Weingardt nach Abschluss ihres Stadtmaler-Stipendiums arbeitete. Eine leere Garage im Hof des Alten Schlosses wurde von der Holzkünstlerin Andrea Reksans genutzt, vorübergehend wurden dort auch Kurse in einem Sommeratelier gegeben und schließlich arbeitete auch der Stadtmaler Wolfgang Folmer inmitten der Stadt.

Gaildorf bot und bietet also einen, wie die Sozialwissenschaftler so schön sagen, „niedrigschwelligen" Zugang zur Kunst, und das nicht nur für Einheimische. Auch Fahrradtouristen, die den Kocher-Jagst-Radweg erkundeten, blieben hängen, staunten, redeten, und manche sah man später wieder, als Teilnehmer am Sommeratelier. Wer also nach einem Nutzen fragt, der jenseits des Schöngeistigen liegt -hier wird er fündig.

Die kreative „Flaute", die Gaildorf im letzten Jahr überstehen musste, dürfte also niemandem so recht gefallen haben. Im Februar hat man das Stadtmaler-Stipendium zum neunten Mal ausgeschrieben, im Juni wird die Jury die Einsendungen - in der Regel gehen bis zu 50 Bewerbungen ein - sichten, im Oktober oder November darf „Nummer Neun" antreten.

Bis dahin aber will Gaildorf nicht mehr warten. Demnächst wird deshalb ein „Interims-Stadtmaler" Wohnung und Atelier im Alten Schloss beziehen: Udo Schanz, Künstler und Feuerwerker aus Schwäbisch Hall, kommt in den Genuss des kompletten Stipendiums. Und damit erfüllt sich auch ein Wunsch, den der fünfte Stadtmaler Emanuel Anthropelos bei seinem Abschied aus Gaildorf formuliert hat: Nicht Kunst soll Gaildorf haben wollen, sondern ein Bedürfnis.

 

 

Andrea Reksans (rechts) mit einer Teilnehmerin des Sommeratelier im Hof des Alten Schlosses.

 


(19.3.2008)

Ein Jahr  im Schloss

Gaildorf. Eine frisch sanierte Wohnung im einstigen Schloss der Schenken von Limpurg, dazu ein Atelier und 300 Euro monatlich - mit diesem Angebot werden schon seit 1997 Künstler nach Gaildorf gelockt. Gegenleistungen werden bei diesem „Stadtmaler-Stipendium" ausdrücklich nicht erwartet, aber gern erbracht, wie die Erfahrung zeigt in Form von Ausstellungen, kreativer Präsenz und mal mehr und mal weniger aufgeregten Kunst-Diskussionen. Nach einem Jahr Pause wegen der notwendigen Schlosssanierung wurde nun das neunte Stipendium ausgeschrieben. Der neue Stadtmaler soll im Oktober nach Gaildorf ziehen.

RUNDSCHAU GAILDORF  www.rundschau-gaildorf.de


KUNST AM BAU ( Bericht Cornelia Kaufhold 24.12.2003 )

Sumiko Shoji und Angelika Weingart bemalen Fassade des Restaurants Rose in Vellberg-Eschenau

Alltagstaugliche Visitenkarte dreier Gaildorfer Stadtmaler

Die Wirtsleute der „Rose" in Vellberg-Eschenau, Adelheid und Jürgen Andruschkewitsch, haben mit Sumiko Shoji und Angelika Weingart einen Glücksgriff getan. Die Gaildorfer Stadtmalerinnen Nr. 3 und Nr. 4 haben die Fassade des Restaurants gestaltet. Ein echter Hingucker.

ESCHENAU • Vor dem Gasthaus liegt, unverkennbar, ein Produkt aus Wolfgang Folmers Freiluft-Atelier: ein Baumstamm. Stadtmaler Nr. 6 bevorzugt geschwärzte Baumstämme, um der Nachwelt seine Bildergeschichten zu erhalten. Adelheid Andruschkewitsch konnte beim Anblick der Folmer'schen Stämme in Gaildorf nicht anders als eines der Kunstwerke zu erwerben. Sumikos Einsatz an der Rose-Fassade war an eine Bedingung geknüpft: Sie wollte in der Rose essen und dann entscheiden, ob sie für dieses Haus arbeiten kann. Sie konnte. Gleich nach dem ersten Bissen griff sie zum Pinsel und kreierte Freihand eine duftige Ranke auf den Putz. Als Förderkreis Stadtmaler-Mitglied konnte auch Malermeister Rolf Deininger nicht anders, als die Künstler den Wirtsleuten zu vermitteln, nachdem er an der Fassade das Seinige vollbracht hatte. Zusammen mit Angelika Weingart entwarf Deininger den Schriftzug am Gasthaus. Sie verwandt das Grün der Rosenranken. Die Schrift fällt auf, steht aber nicht in Konkurrenz zu der Malerei. Der Malermeister will diese Koproduktion übrigens zu einem Fassaden-Wettbewerb einreichen. Das Stadtmalerprojekt findet bei den Gästen der „Rose sehr guten Anklang, sagt die Wirtin. Manchmal hielten auch Vorbeifahrende an, kommen herein und fragen nach der Adresse der Fassadengestalter. „Mit Sumiko haben wir eine Künstlerin gefunden, die sich sehr gut mit unserem etwas Anderen und anderen Stil identifizieren konnte".

Angelika Weingart hat bereits ihr nächstes Projekt in Aussicht: Sie will in der Stadtkirche Gaildorf ein Fenster gestalten. Für Jun Wonkun, Stadtmaler Nr. 7, hat Adelheid Andruschkewitsch schon „eine Idee. Mal sehen, ob sie sich verwirklichen lässt". Der Rest bleibt vorerst geheim.


Reaktionen   in Glas und Licht

Kirchengemeinderat beauftragt Weingardt


Wer nach handfesten Effek ten des Stadtmalerstipendi ums sucht, findet sie bei An gelika Weingardt. Die ehema lige Stadtmalerin wurde jetzt mit der Gestaltung der Fens ter der Gaildorfer Stadtkir che beauftragt.

RICHARD FÄRBER   (Bericht vom 14.2.2004)

GAILDORF • Wenn Angelika Weingardt aus dem Fenster ihres Ateliers im Gaildorfer Alten Schloss blickt, sieht sie, was sie zu tun hat. Gegenüber thront die evangelische Stadtkirche, ihre Chorfenster dominieren ihre Aussicht. Es sind mächtige gotische Spitzbogen-Fenster mit schmucklosen Scheiben - und letzteres wird sie ändern.

Eigentlich beschäftigt sich die Künstlerin mit diesen Fenstern, seit sie im Jahr 2000 nach Gaildorf kam. Schon damals hat man Fühlung mit ihr aufgenommen, schon damals hat sie begonnen, sich Gedanken zu machen. Bis zur Auftragserteilung aber hat's dann doch gedauert. Zwischenzeitlich hat Angelika Weingardt ein Fenster für das Gaildorfer Rathaus entworfen und auch die künstlerische Gestaltung der Fichtenberger Kirche übernommen.

Das Beispiel Fichtenberg

Vor allem dort, in Fichtenberg, hat sich ihr Verständnis von „architekturbezogener Kunst" einen Ausdruck verschafft: Weingardts Arbeit ist von Hochachtung und Zurückhaltung geprägt, von zarten Farben, die kraftvoll wirken, von grafischen Andeutungen und stilisierten Zitaten, die ihren Ursprung in der umgebenden Architektur haben.

Sie wirkt atmosphärisch, verstärkend; inhaltliche Eingriffe erlaubt sich Weingardt nicht.

Ihre Abneigung gegen die über Jahrhunderte in Sakralbauten gepflegte Abbildungskultur wird nicht überall geteilt. Anfang Dezember erhielt Weingardt vom evangelischen Kirchengemeinderat bei einer Gegenstimme den Auftrag für die Gestaltung der Stadtkirchenfenster. Denkmalamt und Oberkirchenrat hatten bereits ihre Zustimmung erteilt. Am zweiten Advent stellte sie den Gemeindemitgliedern ihre Entwürfe vor und erntete zwar viel Zustimmung, aber auch Kritik.

Diskussion dokumentiert

Die Kirchengemeinde hat diese Diskussion in einem kleinen Informationsblatt für die Germeindemitglieder ausführlich dokumentiert. Bemängelt wurde danach, „dass die Fenster keine christlichen Symbole enthalten und darum nicht zur Eindeutigkeit der Verkündigung beitragen würden." Dass die Kunst an Sakralbauten gleichsam nur in Form konkreter Glaubensbekenntnisse akzeptabel sein soll, wird allerdings nicht nur von Weingardt als zu einschränkend empfunden. Und dass sie, wie in dem Blatt kolportiert wird, auf einen „Großteil ihres Lohnes" verzichtet, ist ein Gerücht. Sie kann sich das nicht leisten.

Die Entwürfe, die den Gemeinde­mitgliedern in Wort und Bild vorgestellt wurden, sind noch nicht endgültig - die Künstlerin hat sich letzte Änderungen vorbehalten. Ihr künstlerischer Ansatz in Glas und Licht aber bleibt unverändert: „Ich reagiere auf das, was schon da ist", sagt Angelika Weingardt.

Für die Chorfenster hat sie einen Abschluss vorgesehen: Neun Felder des Mittelfensters und daran anschließend jeweils drei Felder der Seitenfenster sollen in Rottönen gefasst werden; aus dem Rot leuchtet zitierend die Silhouette des Maßwerks, das die Decke schmückt. Auf der Kanzelseite wird Grün dominieren: als Entsprechung zum Grün der Bäume um die Kirche. Auch hier findet sich das Maßwerk als Zitat wieder, außerdem recken sich zwei abstrakt wirkende Flächen über das Glas, die sich bei näherem Hinschauen als Schattenriss-Detail des Kreuzes entpuppen, das im Kirchenraum steht.

Die Grundfarben werden komplett durch das Blau, das Weingardt für die Fenster auf der gegenüberliegenden Seite vorgesehen hat. Der Rest ist offen. Nachdenklich schaut sie auf die Skizzen und Fotos, die sie gesammelt und montiert hat: Einen Grundriss, eine Inschrift, weitere Silhouetten, die ihre räumliche Entsprechung in der Stadtkirche finden. Eigentlich muss sie gar nicht mehr aus dem Fenster blicken.