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Info: [www.anastasiya-nesterova.de]

Autor: RICHARD FÄRBER | 20.12.2012

Stadtmalerein Nummer dreizehn macht Druck

Anastasiya Nesterova hat sich gestern im Gaildorfer Gemeinderat vorgestellt. Sie zieht im Januar als 13. Stadtmalerin ins Alte Schloss.

Die 33-jährige Künstlerin Anastasiya Nesterova wird ab Januar die Nachfolge von Daniela Weber antreten und als 13. Gaildorfer Stadtmalerin im Alten Schloss leben und arbeiten. Nesterova stammt aus der Ukraine, hat in Odessa und Münster studiert, lebt und arbeitet heute als freischaffende Künstlerin in Münster. In den letzten Tagen hat sie ihren künftigen Wirkungskreis besucht, sich von Rolf Deininger, der sich traditionell um die Stadtmaler kümmert, herumführen lassen. Gestern Vormittag hat sie bei der RUNDSCHAU vorbeigeschaut, abends stellte sie sich den Gaildorfer Gemeinderäten vor.

Anastasiya Nesterovas Metier ist die Druckgrafik. Für ihre Diplomarbeit, die sie an der Fachhochschule Münster illustrierte und gestaltete, schuf sie eine eigene Ausgabe des Buches "Fälle" von Daniil Charms, ein sogenanntes Künstlerbuch. Zwischenzeitlich habe sie die Arbeit an einem weiteren Künstlerbuch begonnen, berichtet sie. Es handelt sich um die Erzählung "Hundeherz" von Michail Bulgakow, wie Charms ein literarischer Avantgardist und Satiriker der Sowjetunion. Am 25. November erhielt Anastasiya Nesterova den Valentine-Rothe-Preis des Frauenmuseums in Bonn. Der Preis wird alljährlich zur 22. Kunstmesse im Frauenmuseum verliehen.

Sie sei wie verzaubert, wenn sie das Papier vom Druckstock abziehe und zum ersten Mal das Ergebnis erblicke, sagt Anastasiya Nesterova. Druckgrafik sei eine komplexe Kunst, man müsse sich physisch mit dem Druckstock auseinandersetzen, sehr planmäßig und entschieden arbeiten. Wie planmäßig und entschieden, wird bei der Technik der "verlorenen Platte" deutlich, die nach jedem Druckvorgang neu bearbeitet wird, bis nichts mehr übrig und die Auflage unwiderruflich vollendet ist. Im Juli 2012 lebte Anastasiya Nesterova im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop an der Ostseeküste. Dort entstand eine Reihe von Landschafts-Holzschnitten. Auch während ihres Stipendiums in Gaildorf werde sie sich wohl der Landschaft widmen, sagt sie. Und dass man grad nichts sieht vom Limpurger Land, weils draußen neblig ist, stört dabei kein bisschen: "Nebel ist schön."


Autor: RICHARD FÄRBER | 16.02.2013

Die entschleunigte Druckerin

Sehr grafisch", findet Anastasiya Nesterova die Fachwerkarchitektur, die sie in ihrer neuen Heimat vorgefunden hat; "sehr grafisch" auch die Winterlandschaften, in denen sie sich derzeit notgedrungen bewegt, wenn sie ihr Atelier im Alten Schloss in Gaildorf verlässt.

Sehr grafisch", findet Anastasiya Nesterova die Fachwerkarchitektur, die sie in ihrer neuen Heimat vorgefunden hat; "sehr grafisch" auch die Winterlandschaften, in denen sie sich derzeit notgedrungen bewegt, wenn sie ihr Atelier im Alten Schloss in Gaildorf verlässt. Dass sie die Welt mit Grafikeraugen sieht, ist auch nicht weiter verwunderlich: Die 32-Jährige aus Sewastopol auf der Krim, die seit 2005 im westfälischen Münster lebt und arbeitet und im Januar als 13. Gaildorfer Stadtmalerin ins Alte Schloss gezogen ist, hat an der Fachhochschule in Münster experimentelle Illustration und Druckgrafik studiert.

Die Druckgrafik ist eine Kunst, die Umwege nimmt: Sie kommt über den Druckstock aufs Papier, verlangt also, zumal wenn der Stock geritzt oder geschnitten wird, gute Materialkenntnis, einen analytischen Blick sowie genaues und geplantes Arbeiten. Wenn sie jedoch den Abzug vom Druckstock löse und zum ersten Mal das Ergebnis erblicke, erzählte Anastasiya Nesterova im Dezember bei ihrem Antrittsbesuch in Gaildorf, sei sie jedes Mal aufs Neue verzaubert.

Die Magie dieses Augenblicks hat sie erstmals in Deutschland erlebt. Als Tochter einer Künstlerin und eines U-Boot-Kommandanten ist Anastasiya Nesterova zwar mit und in der Kunst aufgewachsen, mit den Techniken der Druckgrafik aber hat sie sich erst an der FH in Münster vertraut gemacht, wo eine Druckwerkstatt zur Verfügung stand. "Ich habe mich in der Druckgrafik entdeckt", sagt sie. Während ihres Studiums beschäftigte sich Anastasiya Nesterova intensiv mit den verschiedensten Drucktechniken vom Hoch- über den Siebdruck bis zur Lithografie; noch vor ihrem Abschluss mietete sie sich in einem professionellen druckgrafischen Atelier ein. Die Druckgrafik bilde einen Gegenpol zu den zeitgenössischen grafischen Techniken, sagt sie. Während sich die Möglichkeiten der Computergrafik quasi exponentiell entwickeln und entsprechend aufgeregt propagiert werden, wirke die herkömmliche Druckgrafik angenehm entschleunigt.

Zwei Sujets lassen sich in Anastasiya Nesterovas künstlerischem Wirken ausmachen: Literatur und Landschaft. Die literarische Avantgarde der ehemaligen Sowjetunion, namentlich die Dichter Daniil Charms und Michail Bulgakow, haben sie zu Künstlerbüchern inspiriert: Charms böse "Fälle" wurden zu ihrer Diplomarbeit; eine Buchkunstversion von Bulgakows Satire "Hundeherz", die den modernen "Sowjetmenschen" aufs Korn nimmt, ist derzeit in Arbeit. "Die Illustration", sagt sie, "kann es ohne Text oder Literatur nicht geben."

Die Motive ihrer Bilderlandschaften hingegen finden sich vor allem in Deutschland. Anastasiya Nesterova hat etliche Stipendien gewonnen, etwa im sauerländischen Altena, in München und in Ahrenshoop an der Ostsee, wo aufwendige, auch mehrfarbige Künstlerbücher entstanden sind. Auch in der Zeche Zollverein in Essen hat sie ihre Eindrücke grafisch festgehalten.

Nun schaut sie auf Gaildorf, aufs Limpurger Land, die Nachbarschaft, die ungewohnte mittelalterliche Architektur - Schwäbisch Hall finde sie "spektakulär", sagt Anastasiya Nesterova. Die Gaildorfer Teilorte hat ihr der Beigeordnete Frank Zimmermann auf einer Rundfahrt gezeigt, den Kieselberg, wo ihr Kollege Dirk Pokoj, der zehnte Gaildorfer Stadtmaler lebt, hat sie auf eigene Faust zu Fuß erkundigt. Erste Holzschnitte, die sie von Hand abgezogen hat, zeigen Fachwerk-Muster. Eines dieser Muster, hat sie in den Raum hinein weiterentwickelt zu einem Leporello, das sternförmig angeordnet eine sehr spezielle Wirkung entfaltet.

Einige ihrer Gaildorf-Eindrücke hat Anastasiya Nesterova auch nach München getragen. Dort, bei Steindruck Müller im Künstlerhaus am Lembach-Platz, hat sie sich 2011 im Rahmen eines Arbeitsstipendiums mit der Lithografie, der "Königsdisziplin der Druckgrafik", beschäftigt. Und weil der Kontakt zur Freundschaft wurde, nutzt sie die Möglichkeiten der Werkstatt immer wieder - und gibt im Gegenzug Buchbinderkurse.

In der Lithografie besteht der Druckstock aus Stein, der mit fetthaltiger Farbe bemalt wird. Auch hier ist die Beschäftigung mit dem Material elementar: Der Stein muss vor jedem Gebrauch aufwendig geschliffen werden. Nichtsdestotrotz kommt die Lithografie der Zeichnung am Nächsten. Und wie Zeichnungen wirken denn auch die Landschaftslithografien, die Anastasiya Nesterova aus München mitgebracht hat: Schneelandschaften, vernebelte Wälder, leere Brachen, ein verwaister Jägerstand; dazwischen knallrote Container und andere das Bild akzentuierende Gegenstände, bestehend aus gefärbtem Japanpapier, das sie beim Drucken mit aufs Bild aufgetragen hat.

Die "Chine-collé-Technik" habe den Vorteil, dass man zwei, drei Druckgänge in einem erledigen kann, sagt Anastasiya Nesterova. Und vielleicht auch, dass man noch ein bisschen aufgeregter ist, wenn man das Papier vom Druckstock abzieht.


Autor: RS | 16.02.2013

Zur Person: Anastasiya Nesterova, 13. Gaildorfer Stadtmalerin

Für ein Jahr lebt und arbeitet Anastasiya Nesterova jetzt als 13. Stadtmalerin im Alten Schloss in Gaildorf. Die Künstlerin wurde 1979 in Sewastopol auf der Halbinsel Krim in der Ukraine geboren. Sie studierte Kunst in Odessa und ging dann ins Münsterland.

Für ein Jahr lebt und arbeitet Anastasiya Nesterova jetzt als 13. Stadtmalerin im Alten Schloss in Gaildorf. Die Künstlerin wurde 1979 in Sewastopol auf der Halbinsel Krim in der Ukraine geboren. Sie studierte Kunst in Odessa und ging dann ins Münsterland. 2005 begann sie an der Fachhochschule Münster ein Studium im Fachbereich Design, Fachrichtung Illustration mit Schwerpunkt Druckgrafik, das sie 2009 abschloss. Ihre Diplomarbeit, das Künstlerbuch "Fälle", wurde von Professor Wolfgang Troschke betreut und erhielt die Abschlussnote 1,0. Sie lebt und arbeitet als freischaffende Druckgrafikerin.

Stipendien 2006 erhielt Anastasiya Nesterova das Förderstipendium der Katholischen Studentischen Hochschulgemeinde Münster; 2008 ermöglichte ihr Altegrever-Gesellschaft Münster einen Aufenthalt in der Provence. Weitere Stipendien erhielt sie vom Deutschen Akademischen Austauschdienst, von Steindruck München, der Werkstatt Altena, dem Künstlerhaus Ahrensoop und aktuell von der Stadt Gaildorf und dem Künstlerhaus Hoocksiel, Wangerland. 2012 erhielt sie in Bonn den Valentine-Rothe-Preis.

Ausstellungen Seit 2007 stellt Anastasiya Nesterova bei der Deutsch-Niederländischen Grafikbörse in Borken aus. Ihre Arbeiten wurden bei der "BuchDruckKunst" in München, in Enschede, im Kloster Bentlage, beim Kunstverein Meppen, bei der Nationalen Künstlervereinigung der Ukraine, in Zwickau, Plettenberg, München, Detmold, Altena, Köln, Ulm und Bonn gezeigt. 2013 wird sie bei der "Ereignis Druckgraphik", in Hooksiel, Ahrenshoop, Zwickau und natürlich in Gaildorf ausstellen.


 Stadtmalerin Anastasiya Nesterova zieht ihr Resümee

In Gaildorf neigt sich die 13. Stadtmaler-Saison ihrem Ende zu. Am Sonntag wird die Abschlussausstellung von Anastasiya Nesterova eröffnet. Gezeigt werden vor allem vielfarbige Druckgrafiken.

RICHARD FÄRBER | 07.11.2013

Überm Kocher geht was Gelbes auf. Es ist freilich nicht die Sonne, sondern ein sonnengelbes Postauto, das hinter Baumstämmen und Zweigen die Uferböschung entlang fährt. "Postwagen am Kocher" nennt Anastasiya Nesterova den Acht-Farben-Holzschnitt im für sie ungewohnten, eine Rahmensonderanfertigung erfordenden Format von 170 mal 50 Zentimeter.

Dieses Bild hat also eine Pointe, eine Fallhöhe. Es stimmt heiter, irgendwie, und es steht zudem exemplarisch für die Landschaften, die von der 13. Gaildorfer Stadtmalerin während ihres Jahres in der Schenkenstadt und an diversen anderen Orten der Republik geschaffen wurden. Denn Nesterovas Landschaften sind zwar menschenleer, sie tragen aber die Spuren menschlichen Wirkens in sich: hier ein Bagger (ihr Lieblingsmotiv), dort ein Hochsitz, hierzulande Jägerstand genannt, daneben ein Wasserfass zum Labsal der Kühe, die gerade aber auch nicht da sind - das "Skulpturale" solcher Objekte, sagt die 34-Jährige, finde sie faszinierend.

"Ich hab alles gemacht, was ich mir vorgenommen habe", resümiert die aus Odessa stammende, in Münster lebende und arbeitende Druckgrafikerin ihr Stipendienjahr in Gaildorf. Sie hat mit Kollegen Landschaften gemalt, mit Kindern gearbeitet, die hiesige "Stammtischkultur" entdeckt, Freunde gewonnen. Und sie war viel unterwegs: Künstlerische "Dienstreisen" führten sie in Werkstätten und Galerien an der Nord- und Ostsee, in Bielefeld, Leipzig und München.

Bei der Abschlussausstellung in der Galerie im Alten Schloss werden daher nicht nur Landschaften des Limpurger Landes zu sehen sein, sondern auch Druckgrafiken, die vom Anblick des Meeres und der Küstenlandschaft inspiriert sind; zudem will Nesterova eine Grafik-Serie zeigen, die bereits 2007 auf der Zeche Zollverein in Essen entstanden ist. Gaildorf-Impressionen dienten wiederum als Vorlagen für aufwendige Aquatinta-Radierungen, die im Rahmen eines Symposiums in Leipzig entstanden sind. Und der lange Winter 2012/13 fand Eingang in ein "Winterbuch", für das sie die Chine-collé-Technik verwendet hat: Dabei werden gefärbte Papierschnipsel mit ins Bild gedruckt - nach dem "Prinzip Postauto" als Kontrast, Akzent und Blickfang in Schnee und Nebel.

Anastasiya Nesterova hat ihrer Abschlussausstellung den Titel "Farbfelder II" gegeben. Im Prinzip handelt es sich dabei um die druckgrafische Fortsetzung der gemalten "Farbfelder I", die auf dem Kieselberg entstanden sind und bereits seit Ende September bei der Kulturschmiede im Häberlen gezeigt werden. Und wer neben der Druckgrafikerin auch die Malerin Anastasiya Nesterova kennenlernen möchte, sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen. Nicht nur, um den Wegen von der Malerei zum Druck nachzuspüren, sondern auch weil die Stadtmalerin eigentlich gar keine Malerin ist.


Spuren in der Stadt und auf dem Papier

Sie hat viele Bande geknüpft und war ausgesprochen produktiv: Anastasiya Nesterova, 13. Gaildorfer Stadtmalerin, präsentiert seit Sonntag ihre Werke des vergangenen Jahres in der Galerie im Alten Schloss.

CHRISTINE HOFMANN | 13.11.2013

"Die Zahl 13 war eine Glückszahl - zumindest was das Wirken von Anastasiya Nesterova in Gaildorf bedeutet", sagte Bürgermeister Ulrich Bartenbach bei der Eröffnung der Abschlussausstellung von Anastasiya Nesterova, der 13. Stadtmalerin. Niemand der zahlreichen Gäste aus Gaildorf und Umgebung, die am Sonntag zur Vernissage ins Alte Schloss gekommen waren - und schon gar nicht die aus dem Münsterland angereisten Künstlerkollegen - wollten da widersprechen. Zu gut ist die Zusammenarbeit mit der jungen Druckgrafikerin und der lokalen Kunstszene, zu eng sind die freundschaftlichen Bande, die sie in diesem Jahr mit Menschen aus Gaildorf geknüpft hat, zu sehr haben die Stadt und die Limpurger Landschaft Eingang in ihr Werk gefunden. Anastasiya Nesterova hinterlässt Spuren in Gaildorf und nimmt Gaildorfer Erinnerungen mit, wenn sie im Januar aus dem Alten Schloss ausziehen wird.

Dirk Pokoj von der IG Kunst Gaildorf hätte nichts dagegen, die 34-Jährige auch nach Ablauf ihres Stipendiums in Gaildorf zu halten: "Es gibt eine Gaildorfer Künstlerriege. Noch ist es vermessen, von einer Künstlerkolonie zu sprechen. Gäbe es sie, Anastasiya Nesterova hätte das Rüstzeug dazu."

Spuren, die Menschen in der Landschaft hinterlassen

Dass dies nicht nur schöne Worte waren, bestätigte ein Rundgang durch die Ausstellung. Über 50 Werke stellt die auf der Halbinsel Krim geborene Künstlerin in der Galerie im Alten Schloss aus - 13 Bilder sind in einem Künstlerbuch zusammengefasst. Es sind Serien von Farbholzschnitten, die alle in diesem Jahr entstanden sind: Gaildorfer Fachwerkhäuser in ungewohntem Arrangement, darunter auch eine tanzende Ansicht des Schlosses, daneben Felder, Wiesen und Hügel aus der Umgebung.

Auch Eindrücke von einer Künstlerreise an die Nordseeküste hat Anastasiya Nesterova im Druck gebannt. Viel Landschaft also, auch Architektur und Maschinen sind in den klar komponierten Bildern festgehalten. Darstellungen von Menschen sucht man dagegen vergeblich. Anastasiya Nesterova zeigt lediglich die Spuren, die Menschen in der Landschaft hinterlassen haben - die Windräder an der Küste, der Hochsitz am Waldrand oder der leuchtend rote Bagger in der Landschaft. Diese Spuren setzen Akzente in den Bildern, in denen das Holz des Druckstocks noch sichtbar ist.

Kontakte zur Gaildorfer Kunstszene

Wie aufwendig die Herstellung eines Druckes ist, erklärte Stadtrat Martin Zech in seiner Einführung, in der er eine spontane Lehrstunde in Druckgrafik abhielt. Nesterovas Lebenslauf mache deutlich, dass es sich bei der freischaffenden Druckgrafikerin um eine echte Expertin ihres Faches handelt: Bereits im Alter von zwölf Jahren besuchte sie eine Jugendkunstschule, dann studierte sie Kunst in Odessa und später an der Fachhochschule Münster experimentelle Illustration und Druckgrafik. "Anastasiya Nesterova verfügt in ihrem jungen Alter also schon über 22 Jahre Berufserfahrung", stellte Martin Zech fest.

In die Abschiedsstimmung, die sich zwangsläufig bei einer Abschlussausstellung einstellt, mischte sich die Vorfreude auf die Fortsetzung des Künstlerstipendiums. Im Januar wird die Stuttgarter Künstlerin Karin Brosa ins Alte Schloss einziehen. Bis dahin muss noch ein neues Stadtmaleratelier gefunden werden, da das jetzige Atelier dem Nutzungskonzept des Schlosses zum Opfer fallen wird.

Die 14. Stadtmalerin besuchte die Vernissage ihrer Vorgängerin und knüpfte bereits erste Kontakte zur Gaildorfer Kunstszene. Karin Brosa arbeitet in den Bereichen Radierung und Malerei. Brosa und Nesterova kennen sich bereits von einem Kunstworkshop in Leipzig. Ähnlichkeiten gebe es in ihren Werken aber kaum, meint Karin Brosa: "Ich bin sehr figürlich."

Info Die Abschlussausstellung der 13. Stadtmalerin Anastasiya Nesterova mit dem Titel "Farbfelder II" kann bis zum 31. Dezember jeweils samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr in der Galerie im Schloss besichtigt werden. Begleitend zur Ausstellung ist der neue Stadtmaler-Kalender erschienen, den die Stadt Gaildorf gemeinsam mit der Sparkasse Schwäbisch Hall-Gaildorf herausgibt.


 Gaildorf/Bonn

Anastasiya Nesterova bekommt Ehrenpreis des "Valentine Rothe Preises"

Gaildorfs Stadtmalerin Anastasiya Nesterova ist am Wochenende in Bonn mit dem Ehrenpreis des "Valentine Rothe Preises" ausgezeichnet worden. Die Jury war begeistert.

SWP | 25.11.2013

Anastasiya Nesterova, die in diesem Jahr das Gaildorfer Stadtmalerstipendium innehatte, ist mit einer besonderen Auszeichnung bedacht worden. Im Rahmen der Kunstmesse im Bonner Frauenmuseum, in deren Rahmen am Wochenende 100 Künstlerinnen ihre Werke präsentierten, erhielt sie den Ehrenpreis des "Valentine Rothe Preises 2013" überreicht. Diese Auszeichnung, die zum achten Mal vergeben wurde und auch als "Enkelinnenpreis" bekannt ist, bekam heuer die gebürtige Chemnitzerin Jenny Jey verliehen, die in der Schweiz lebt. Den zweiten Preis hatte sich Susanna Neunast aus Köln verdient, und die Belgierin Elsa Wittorski freute sich über den dritten Preis.

Laut Jury ging der außerordentliche, mit 500 Euro dotierte Ehrenpreis deswegen an Anastasiya Nesterova, "weil sie während ihres Stipendiumaufenthaltes in der schwäbischen Stadt Gaildorf ihr graphisches Werk mit neuen Landschaftserfahrungen, mit frischer Farbgebung und neuen technischen Entwicklungen stringent, souverän und authentisch verfolgt hat". Die Jurorinnen wollten "ausdrücklich das Gesamtwerk von Anastasiya Nesterova, der Preisträgerin des Jahres 2012, würdigen", wie es in einer Presseerklärung des Frauenmuseums heißt.

Von der Künstlerin war die Jury im vergangenen Jahr angetan, weil ihr graphisches Werk "einen hohen Grad an technischer Perfektion" zeige und "durch das Wechselspiel von Motiven aus der deutschen Schwerindustrie, den Hinterlassenschaften der sowjetischen Planwirtschaft und fremden Landschaften" überzeuge. Sie setze "durchaus heitere Akzente - vor allem in der Farbgebung erinnert ihr Werk an die Ästhetik der 50er Jahre".

Die Stifterin des Preises, Dr. Valentine Rothe, ist Historikerin, Künstlerin und Privatdozentin an der Universität Bonn. Sie war lange Zeit aktiv im Vorstand des Frauenmuseums und ist heute Ehrenvorsitzende des Fördervereins Frauenmuseum. Viele Jahre lang hatte sie sich im Vorstand der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) Berlin engagiert. Zustifterin Renate Hendricks unterstützt den Preis zum siebten Mal. Die Sozialpädagogin setzt sich seit mehr als 25 Jahren ehrenamtlich für Eltern und Kinder in Stadt, Land und Bund ein.